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Konrad Josef Heilig (1907–1945) 621
motion hatte Heilig erste wissenschaftliche Aufsätze veröffentlicht, die sogleich seine weit
gespannten, von der heimatlichen Kirchengeschichte bis zur Theologie- und Philosophie-
geschichte reichenden wissenschaftlichen Interessen unter Beweis stellten31.
Heilig hatte sich mit seiner Dissertation und seinen ersten wissenschaftlichen Publika-
tionen als Mittelalter-Historiker ausgewiesen. Er war nicht – wie lange Zeit beabsichtigt
– Theologe oder gar Priester geworden, wenngleich die Wahl seiner Promotionsfächer
letztlich unmittelbar aus dem Studium der Theologie erwachsen war.
III.
Im Oktober 1929 siedelte Heilig nach Wien über. Der Abschied von der vertrauten Hei-
mat im südlichen Baden bedeutete einen neuerlichen und – wie sich bald zeigen sollte
– folgenreichen Einschnitt in seine Biografie. Grund gelegt wurde dieser Wechsel letztlich
durch seine Beschäftigung mit Heinrich von Langenstein (vor 1363–1397), der „zwei-
fellos zu den bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit“ gehörte32. Er war 1384 von Herzog
Albrecht III. von Österreich an die Universität Wien berufen worden, an der er schließ-
lich 1393/34 gar zum Rektor aufgestiegen ist. Heiligs Verdienst war es, in seiner Disserta-
tion „Heinrichs Werke von denen seines hessischen Landsmannes, des Kartäusers Hein-
rich von Altendorf (gest. 1427), präzis zu trennen. Heiligs mustergültige Untersuchung
ist auch heute noch Ausgangsbasis für jede Beschäftigung mit Biographie und Werken
Heinrichs von Langenstein.“33
Mit Heinrich von Langenstein hatte Heilig zugleich ein Thema österreichischer Geis-
tesgeschichte des 14. Jahrhunderts angesprochen. Für seinen Doktorvater Finke, der unter
anderem der Wiener Akademie der Wissenschaften als korrespondierendes Mitglied ange-
hörte, lag es nahe, seinen Schüler angesichts von dessen Interessen zur Aufnahme in einen
Kurs des Österreichischen Instituts für Geschichtsforschung (ÖIG) in Wien zu empfeh-
len34. Die Aufnahmeprüfung, abgenommen von Oswald Redlich, Alfons Dopsch, Hans
Engelhart, „Wir schlugen unter Kämpfen und Opfern dem Neuen Bresche“. Philipp Funk (1884–1937).
Leben und Werk (Europäische Hochschulschriften III, 695, Frankfurt/M. u.a. 1996).
31 Konrad Josef Heilig, Zur Geschichte des Konstanzer Bischofs Gerhard von Bevar, in : ZGORh NF 42
(1928/29) 115–131 ; ders., Zum Tode des Johannes Duns Scotus, in : HJb 49 (1929) 641–645.
32 Thomas Hohmann, Georg Kreuzer, Heinrich von Langenstein, in : VL 3 (Berlin/New York 1981) Sp.
763–774, hier Sp. 764.
33 Georg Kreuzer, Heinrich von Langenstein. Studien zur Biographie und zu den Schismatraktaten unter be-
sonderer Berücksichtigung der Epistola pacis und der Epistola concilii pacis (Quellen und Forschungen aus dem
Gebiet der Geschichte NF Heft 6, Paderborn/München/Wien/Zürich 1987) 46.
34 Vgl. das Schreiben Heinrich von Srbiks vom 22.01.1940 an das Erzbischöfliche Ordinariat Freiburg i. Br.,
Erzbischöfliches Archiv Freiburg i. Br., Akte „B 2 – 8/43 Generalia Erzbistum Freiburg. Rubrik : Behörden.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien