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Konrad Josef Heilig (1907–1945) 623
diesen Autor, der als Augustiner-Eremit an der 1384 errichteten Theologischen Fakultät in
Wien lehrte, war Heilig bereits anlässlich seiner Studien über Heinrich von Langenstein
aufmerksam geworden, den er in diesem Zusammenhang ausdrücklich als den „größten
Gelehrten der habsburgischen Universität im ersten Jahrhundert ihres Bestehens“ bezeich-
nete40. Inzwischen hat die Forschung zwar erwiesen, dass die Identifizierung des Verfassers
der Chronik mit dem herzoglichen Hofkaplan Leopold Steinreuter nicht mehr aufrechtzu-
erhalten ist, dass vielmehr „die von Heilig auf eine einzige Person bezogenen Quellenstellen
drei oder doch zwei verschiedenen Personen zuzuweisen“ sind41. Indessen ändert das nichts
an der Bedeutung der grundsätzlichen Ausführungen des „von altphilologischen, theo-
logischen und historischen Studien ausgegangenen Konrad Josef Heilig“42 zu „diese(m)
umfangreichste(n) österreichischen Geschichtswerk der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts“43.
Noch vor dem Ende seiner Ausbildung am Wiener Institut und noch vor der Aushän-
digung des Freiburger Doktordiploms unternahm Heilig um die Jahreswende 1930/31
den Versuch einer Bewerbung um den Hilfswissenschaftlichen Lehrstuhl an der (katho-
lischen) Universität in Freiburg im Üchtland44. Dieser Lehrstuhl war durch den Tod
von Franz Steffens (1853–1930) vakant geworden45. Obwohl Heilig den inzwischen in
Fribourg lehrenden Professor der Germanistik, den Österreicher Richard Newald, den
er vielleicht noch aus dessen Zeit als Privatdozent an der Universität Freiburg im Breis-
gau (1926–1930) gekannt haben mochte46, und dazu noch seinen Erzinger Landsmann,
den im Exil auf der Insel Werd im Untersee lebenden einstigen Erzbischof von Buka-
rest Raymund Netzhammer, als Fürsprecher eingeschaltet hatte47 und obgleich auch
reichischen Chronik von den 95 Herrschaften. Ein Beitrag zur österreichischen Historiographie, in : MÖIG
47 (1933) 225–289.
40 Heilig, Leopold (wie Anm. 39) 229, vgl. Kreuzer, Langenstein (wie Anm. 33) 102, Anm. 398.
41 Vgl. Paul Uiblein, Die Universität Wien im Mittelalter (Schriftenreihe des Universitätsarchivs Universität
Wien 11, Wien 1999) 338–341, und bereits ders., Die Quellen des Spätmittelalters, in : Die Quellen der
Geschichte Österreichs, hg. v. Erich Zöllner (Wien 1982) 50–113, hier 102f.
42 Vgl. Alphons Lhotsky, Quellenkunde zur mittelalterlichen Geschichte Österreichs (MIÖG Erg.-Bd. 19,
1963) 312–314, hier 314 ; ders., Geschichte (wie Anm. 35) 377, spricht von einer „aufsehenerregenden
Studie“.
43 Paul Uiblein in : VL 5 (Berlin/New York 1985) Sp. 716–723, insbes. Sp. 717 und 720, vgl. auch Winfried
Stelzer, Landesbewußtsein in den habsburgischen Landen östlich des Arlberg bis zum frühen 15. Jahrhun-
dert, in : Spätmittelalterliches Landesbewußtsein in Deutschland, hg. v. Matthias Werner (VuF 61, Ostfil-
dern 2005) 157–222, hier 218f. mit Anm. 211 und Nachträge 221.
44 Balcar, Heilig (wie Anm. 2) 1, 14/15 und 2 Abschnitt H 2.
45 Über ihn Pascal Ladner in : Histoire de l’Université de Fribourg Suisse/Geschichte der Universität Freiburg
Schweiz, hg. v. Roland Ruffieux (Fribourg 1991) 689f.
46 Zu ihm siehe Freiburger Philosophische Fakultät (wie Anm. 24) 975.
47 Über ihn Hubert Matt-Willmatt, Netzhammer, Raymund, in : Badische Biographien 3 (Stuttgart 1990)
194–195. Netzhammer wurde 1931 Ehrenbürger von Erzingen.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien