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Konrad Josef Heilig (1907–1945) 627
geschlossen haben. Also wieder einmal habe ich‚ etwas Rares gefunden aus der Bibliothek, wo
man so was nicht finden sollte. Noch in demselben Jahrgang der MÖIG 47 von 1933, in
dem er bereits seine Institutshausarbeit über „Leopold Steinreuter“ veröffentlicht hatte,
machte er seine Entdeckung bekannt67 : Mit berechtigtem Stolz ließ er die gelehrte Welt
wissen, dass er in Codex 163 der Universitätsbibliothek Freiburg, den er sich nach Wien
ans ÖIG habe senden lassen, die „bisher für verloren gehaltene Widmung des Werkes
in lateinischer Sprache“ gefunden habe : „sie nennt den Autor, […] es ist Johannes de
Tepla.“68 „Durch diese Widmung ist also die Frage nach der Person des Ackermanndich-
ters endgültig entschieden“69. Ja, Heilig behielt sich sogleich „eine auf Grund der vier Saa-
zer Formelbücher anzufertigende Ausgabe aller Briefe aus der Werkstatt des Ackermanns
vor […] ; auch die nachfolgende Rhetorik wird von uns ediert werden, die Vorarbeiten,
Abschrift der Texte und Versuch einer Ausbesserung der Fehler sind bereits gemacht“70.
Seit diesem Fund Heiligs gilt Johannes von Tepl (Teplá) (ca. 1350–ca. 1415) unbestritten
als Verfasser des Prosastreitgesprächs „Der Ackermann aus Böhmen“71. Heiligs einstiger
Freiburger Lehrer Finke war von dessen Fund so sehr beeindruckt, dass er ihm am 23.
Januar 1934 schrieb : Sie sind ja ein erstaunlicher Entdecker. Vor Ihnen muß der Finke die
Segel streichen72. Wie sehr Heilig seinem einstigen Doktorvater in Dankbarkeit verbun-
den blieb, zeigt sich daran, dass er sich [„Dr. Konrad Josef Heilig, Wien“] in die Tabula
Gratulatoria der Finke zu dessen 80. Geburtstag am 13. Juni 1935 von seinen Schülern
gewidmeten Festgabe eintragen ließ. Dort ist unter den 1929 von Finke approbierten
Dissertationen auch diejenige Heiligs aufgeführt73.
IV.
Seit dem Frühjahr 1934 trat neben den kritischen Historiker und Mittellateiner Heilig
der politische Publizist, der in Wort und Schrift vehement für den von Engelbert Dollfuß
begründeten „christlichen Ständestaat“ kämpfte74. Welche Gedanken ihn dabei leiteten,
67 Konrad Josef Heilig, Die lateinische Widmung des Ackermanns aus Böhmen, in : MÖIG 47 (1933) 414–
426.
68 Ebd. 417f.
69 Ebd. 426.
70 Ebd. 418.
71 Vgl. Gerhard Hahn, Johannes von Tepl, in : VL 4 (Berlin/New York 1983) Sp. 763–774.
72 Balcar, Heilig (wie Anm. 2) 2 Abschnitt H 2.
73 Vgl. Heinrich Finke 1855–1935 (Freiburg 1935) 2 und 16.
74 Zum „Ständestaat“ vgl. Ulrich Kluge, Der österreichische Ständestaat 1934–1938. Entstehung und Schei-
tern (München 1984) ; zur „Schaffung eines neuen, staatstragenden österreichischen Identitätsprofils“ bzw. ei-
ner „neuen Österreich-Ideologie“ im Ständestaat vgl. Gottfried-Karl Kindermann, Österreich gegen Hitler.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien