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628 Helmut Maurer
mag seine folgende Aussage vom Juni 1934 zeigen : „Der Kampf gegen die rote Bolsche-
wisierung sowohl wie gegen den Nationalsozialismus ist nichts anderes denn ein Kampf
für Christus.“75
Am 15. April 1934 veröffentlichte er unter dem Pseudonym Dr. Franz Giehl in der
1933 von deutschen Emigranten begründeten österreichischen Wochenschrift „Der christ-
liche Ständestaat“ (= CS) einen ersten, für ein unabhängiges Österreich eintretenden Arti-
kel mit dem Titel „Hat der österreichische Mensch einen historischen Existenzgrund ?“76.
Von dieser Wochenschrift ist gesagt worden, dass sich in ihr „die entschiedensten Gegner
des Nationalsozialismus und jeden Kompromisses mit ‚gesamtdeutschen‘ Tendenzen sam-
melten. Hier waren vor allem Männer führend, die vor Hitler nach Österreich geflohen
waren, außer [Dietrich von] Hildebrand selbst Klaus Dohrn, Eugen Kogon, der Histo-
riker Konrad Josef Heilig […]“77, wobei anzufügen wäre, dass Heilig – im Gegensatz
zu den anderen Genannten – nicht aus Deutschland emigriert war. Zur Mitarbeit war
er vermutlich durch seinen einstigen Instituts-Kurskollegen Wilhelm Böhm gewonnen
worden, der ebenfalls seit 1934 im CS veröffentlichte, ja 1936 in dessen Redaktion ein-
trat78. Diesem seinem ersten Artikel im CS ließ Heilig am 6. Mai einen solchen über „Die
Zeichen des christlich-deutschen Österreichs“ und am 22. Juli einen weiteren „Zur Frage
einer österreichischen Geschichtsauffassung“ folgen. Mit diesen Beiträgen zur Zeitschrift
CS, aber auch zur „Reichspost“ oder zu den „Wiener politischen Blättern“ nahm er eine
eindeutige Position für ein selbstständiges Österreich ein. Aufsätze mit den Titeln „Um
das wahre Deutschtum“79 oder „Einheit und Verschiedenheit im Deutschtum“80 oder
„Gesamtdeutsche oder christlich-österreichische Geschichtsauffassung im christlichen
Europas erste Abwehrfront (München 2003) Kap III, 60–101, hier 64 und 87 mit dem Hinweis, „daß deut-
sche Emigranten vom Range eines Dietrich von Hildebrand und Klaus Dohrn maßgeblich in die ideologische
Arbeit des Ständestaates eingebunden waren“. Vgl. auch Balcar, Heilig (wie Anm. 2) 1, 137–146 über die
von Heilig bedienten Presseorgane, 180–183 über seine öffentlichen Vorträge und 149–179 sowie 224 über
Heiligs politische Ansichten.
75 Balcar, Heilig (wie Anm. 2) 2, 20, Nr. 8 : „Gedanken zu einer österreichischen Geschichtsauffassung in
katholischem Lichte“.
76 Rudolf Ebneth, Die österreichische Wochenschrift „Der christliche Ständestaat“. Deutsche Emigration in
Österreich 1933–1938 (Mainz 1976), über Heiligs Mitarbeit grundsätzlich 50f. und zu seinen Beiträgen zur
Frage einer „österreichischen Geschichtsauffassung“ ebd. 174–179 ; vgl. auch Martin Kugler, Die frühe
Diagnose des Nationalsozialismus (Europäische Hochschulschriften III 670 (Frankfurt/M. u.a. 1995) Kap.
III „Dietrich von Hildebrand und sein Kreis“, hier 123–129 über „Die Gründung der Wochenzeitung ‚Der
Christliche Ständestaat‘“. Über Heiligs Mitarbeit vgl. Balcar, Heilig (wie Anm. 2) 1, 143–145.
77 Adam Wandruszka, Österreichs politische Struktur, in : Geschichte der Republik Österreich, hg. v. Hein-
rich Benedikt (München 1977) 289–485, hier 346–348.
78 Ebneth, Wochenschrift (wie Anm. 76) 45.
79 CS vom 02.06.1935.
80 CS vom 09.08.1936.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien