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Die Operisti als kulturelles Netzwerk - Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
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14 Einführung Margherita Giacomazzi verköstigt zu werden.80 Einladungen zum Essen im Hause des Komponisten Domenico Paradis waren Marianne nicht genehm, weil dort die „Schiavona“ – die Sängerin Angelika Seitz, die den Pirkers aus Wien bekannt war – wohnte,81 deren lockeren Lebenswandel sie als Gefahr für die eheliche Treue ihres Gatten ansah.82 Dass die schwierige Lage Franz auch physische und psychische Probleme verursachte, liegt nahe. Im Herbst 1748 schreibt er immer wieder von seinem Kummer, „Chagrin“, seiner Gemütskrankheit, die er in Beziehung zu seiner Armut setzt.83 Aufgrund des medi- zinischen Wissensstandes und der unzulänglichen Heilmethoden wurde in der Frühen Neuzeit jede Infektionskrankheit als potentiell lebensbedrohlich angesehen.84 Jede in den Symptomen heftigere Erkrankung konnte deshalb Todesangst auslösen und macht aus heutiger Sicht eine Bewertung der realen Hintergründe meist schwierig. Franz weist in der zweiten Oktoberhälfte 1748 mehrfach darauf hin, dass er eine tödliche Krankheit über- standen habe,85 und lässt dann am 22. des Monats durchblicken, dass es eine Geschlechts- krankheit gewesen sei.86 Hilfe erhielt er nicht von einem Arzt, sondern nach Londoner Usus von einem Apotheker namens Brandenburg, der ihn mit Heilmitteln versorgte und ihn ferner bei Bedarf zur Ader ließ.87 Für seine sonstigen Bedürfnisse griff Franz Pirker auf entsprechende ÃDienstleisterµ (Barbier, Wäscherin, usw.) zurück. Auf einen persönlichen Diener musste er verzichten, weil er diesen seiner Frau Marianne als Reisebegleitung überlassen hatte. Dienstpersonal zu haben, war für Künstler nicht ungewöhnlich. Das zeigen sowohl das Beispiel Giuseppe Jozzis als auch die Zusammensetzung der Mingotti-Reisegesellschaft in Hamburg im Herbst 1748, zu der neben dem künstlerischen Personal auch zahlreiche Dienstpersonen gehörten.88 2. Privat- und Berufsleben in der Mobilität Die berufsbedingte Mobilität prägte die Existenz der Operisti in vielerlei Hinsicht. Nach ihrer Eheschließung im Jahr 1736 waren Franz und Marianne Pirker bis 174289 gemein- sam bei Pietro Mingotti engagiert. Während dieser Zeit wurden, wie bereits erwähnt, drei 80 Brief vom 7. Januar 1749 (93). 81 Brief vom 1. Oktober 1748 (36). 82 Brief vom 11. Oktober 1748 (49). 83 Brief vom 22. Oktober 1748 (58). 84 Zu Krankheit und deren medizinischer Behandlung siehe Münch, Paul: Lebensformen in der Frühen Neuzeit 1500 bis 1800, Frankfurt a. M. 1992, S. 452–௘ 470. 85 Briefe vom 18. und 22. Oktober 1748 (54, 58). 86 Brief vom 22. Oktober 1748 (58): „Du weist, daß ich von einer tödlich>en@ Krankheit, die ich dir nicht einmahl recht wissen lassen, aufstehe, welche meist darum entstand>en,@ daß mein feindse- liges ?Glücke/ mir alle Wege abgeschnitten dich zu vergnügen.“ 87 Brief vom 7. Oktober 1748 (43). Siehe dazu auch Schwartz, Dr. Johnson’s London, S. 134. 88 Brief vom 1. November 1748 (65): Das Dienstpersonal der Truppe bestand aus „4 Menscher“ und „10 Kerl>en@“. 89 Vgl. Theobald, Rainer: Die Opern-Stagioni der Brüder Mingotti, 1730௘ –1766, Wien 2015, S. 31.
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Die Operisti als kulturelles Netzwerk Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
Titel
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Untertitel
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
Band
1 & 2
Herausgeber
Daniel Brandenburg
Verlag
Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7001-8898-8
Abmessungen
21.0 x 29.7 cm
Seiten
1048
Kategorie
Kunst und Kultur
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