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70 das Geld unter Händ>en@, so muste ich nach einem verÀuchten Donnerwetter, und
nachdem 3 Stund mir die Ohren müssen zu vor anschreyen lassen wieder umsonst
abzieh>en@, und der Mann hat sich nicht wenig geärgert, und mich hat woll>en@ der
Schlag rühren, heüte, aber hat er mir verstohlner das Geld in das Haus gebracht.
Die Übrigen 13 Sch>illing@ brauche ich sonst zu meiner Ausgab, wann ich anderst
essen will, und Brief bestell>en@>.@ Das war die Ursach warum ich neülich so
gewis vom Kleyd geschrieben, Mittwoch passirt mir der Streich darauf. Weil mir
nun beym Morinson die Zeit zu lang geword>en@, so habe ich ihm mit Hilf des
Sprachmeisters /: der sich empfehl>en@ läst :/ ein Billiet geschrieb>en@, worauf
ich gestern wie ich die Antwort abholl>en@ wollen solche von ihr von der Stiegen
herab, und durch das Mensch empfangen, Er wolt damit nichts zu thun haben, es
wäre ein recht impertinenter Brief. nachdem ich ihm 15 p>er@ cento ?nemlich/ mit
dem Mil>ord@ intere>ss@e versproch>en@, und Still zu schweigen. Das sind Herz-
brechende Stösse. Dein Kleid solle mit gröster Sorgfältigkeit unternohmen werde
>sic@, Gott gebe nur, daß ich die Schife nicht versaume od>er@, neüe Gelegenheit
geschwind erfrage. Ich habe diesesmahl recht erfahren, was ein Mensch ohne Geld
seye. Ein Schinder, Dieb, Hure pp alles ist ehrlicher und mehr respectirt, man
scheüet einem wie die Pest. Drum adieu Genereusité, und gutes Herz. Dieses sind
Chimeren, und unser ruin. Niemand raisonirt so wie wir, dieser od>er@ diese hat
Uns dieses oder jenes gethan, wir sind obligirt pp nein, jederman denkt erst auf
sich, und wenn sie den zu weilen mit einen Schiling vom Galgen retten können,
so sagen ?sie/ henkt ihn nur auf. Geld, Geld, ist der Gott, die Religion, die Ehr, die
Tugend, meriten und alles. ohne diesen tauget alles übrige nichts. Kein Mensch
redt von der obligation >S. 3@ oder Dienste so wir verrichtet. Alle Welt hat mir
wieder rath>en@, und ich habe es auch von mir selbst nicht thun wollen>,@ dir
anfänglich diese Dinge zu schreib>en@, und es ist mir leid, daß ich es jezt thun
muß, allein die Noth ist da, und unterdessen ist die Zeit verstrich>en@. Der Kauf-
mann hat mich heüte auch auf der Börse wegen des Wechßels angeredet, und ich
förchte auch mein Vorschlag, daß mir der Graf und Secretari>o@ so lang Verzug
geben möchten, daß dieses Geld zur Caution vor dem Hausherrn diente, bis ich das
Geld aufgetrieb>en@ um die Sachen fortschicken zu können>,@ werd mir auch nicht
angehen, wann du noch länger anstehest mir solchen zuschick>en@. Dann ich
hab ihn schon heüte erwartet, dessentweg>en@ mir auch der Secretari>o@ keine
Caution mehr machen wollen, weil der Wechßel ausbleibet, ob er mir solches
schon ehender versprochen, und wann er dort gezahlt wird, so hilft es Uns nichts,
hätte ich ihn aber in meine Hände bekommen, so hätte es mir viel genuzt auf
das wenigste zum wegschicken der Coffrè. Jezt bin ich in einem negocio 50 lb
paar Geld, 50 lb Wahr>en@, und das übrige zur Sicherheit bis der Milord zahlet,
alsdann solle Uns der rest >a@uch bezahlt werd>en@. Man macht mir wieder das
Maul, ich glaube aber nichts >m@ehr, als bis ich das Geld wirklich in meinen
Händen. Wann also du mir >wie@ ich dich leztens gebeten 50 lb schicken köntest, so
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur