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30 Brief Nr. 33
Franz Pirker aus London an Marianne Pirker in Hamburg,
30. September 1748
A Madame
Madame Marianne Pirker pres>entement@ à Hambourg.
No x> ?No/ 11. von 30t>en@ >septem@bris >1@748.
London den 30t>en@ >septem@bris 1748.
Meine liebe Marianna
Nun schreibe ich wieder diesen Brief ohne von dir einen erhalt>en@ zu haben>,@
dieses mahl zwar aus Mangel der Post wegen contrair Wind. Wie übel ist es ge-
than, daß ich der Mylady How keinen Brief von dir geben können. Der Prinz und
Prinzessin haben mich gesehen und gar genädig gedankt>,@ die Prin>zessin@ hat
auch auf unser Fenster gesehen. Die Milady How hat mich zwar gesehen>,@ aber
ich habe mit ihr nicht sprechen gekönt. Nun sollst du auch mein Project wissen.
Ich habe der Milady Midlesex einen recht beweglich>en@ Brief geschrieben und ihr
vorgestellet, daß ich das Billiet unmöglich alles grossen Verlusts darauf ungeacht
anbringen könne, ich bite sie demnach mich von meinen bevorstehendem Unter-
gang zu retten, und bey ihren Herrn zu bit>en@, daß er mir Geld gebe. Der Brief ist
so gemacht, daß er gedrukt zu werden verdienet. Nun wolte ich solchen durch den
Poli ihr geben lassen, als wenn er von dir kämme allein er ist auf dem Land, so
war ich dann gezwungen, denselben durch die Peny Post zu schicken. Er ist ?ihr/
auch zugekommen, daß habe ich erfahren, sie ?war/ aber eb>en@ zum wegfahren
nacher Kiow, stehet also zu erwart>en@ ob, und was sie darauf antworte? Nicolai
und Engel wolten absoluté, daß ihr solchen in Carlington haus geben ?soll/, allein
das wolte ich durchaus nicht thun, noch weniger auf der Gassen. Meine raison ist,
Sie würde es für einen affront in specie in des Prinzens Haus aufgenommen haben,
und mein Entzweck ist sie zum Mitleiden zu bewegen, und durch die Überrei-
chung gäbe ich ihr eine Maulschelle. Wann sie ein Mensch und eine Emp¿ndung
hat, so müssen sie meine angeführte Gründe rühren, ist sie aber unemp¿ndlich,
so würde sie auch Entschuldigungen gefunden haben, wann ich ihn ihr selbst ge-
geben hätte. Daß wäre gar zu viel, wann der arme Pirker dahin gekommen wäre
auf der Gassen Briefe zu überreichen. Sonndags war ein erschrecklicher Dag in
unserm Haus, oben heülte und weinte der Reginelli weil ihm der Milord zwar die
6 lb Monatl>ich@ zu bezahlen zugesagt, sich aber nicht schriftlich obligiren wol-
len. In der Mitte war ich entsezlich unruhig wegen Überreichung des Briefes, und
unten rauften und schlugen sich Real und die Green, welches zwar fast alle anderte
Däge wenigsten geschiehet. Mondags ist der Regi>nelli@ wieder bis 2 Stunden vor
des Milords Haus gewest, und ich zweiÀe, daß er mit ihm gesproch>en@. Morinson
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur