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95 von mir gedenckest>,@ wann ich dir proponirte alldort>en@ im orghestre zu spieh-
len, dann mehrer wirst du wohl hier nicht gewinn>en@, und wann du zugegen, so
kanst du die sache urgiren daß dich der Mylord nach und nach zahlt, sonst sind wir
wieder in vorigem Elend>.@ Kanst du aber das Billet einsezen, so thue es und kome
gleich, alleine es wäre gut daß es leute hätten, welche den Mylord tormentir>en@,
verspriche Ihn>en@ den Zinß zu zahlen, nicht aber etwas zu verliehren. Bitte Mon-
sieur asch daß er dir hilft er hat genug Bekandschaft. anderdens kenne ich deine
Hitzigkeit und daß du ohne du /: verstehst mich schon :/ nicht seyn kanst, wann
du alßo dort>en@ bleibst so köntest du dich villeicht an eine Hur henk>en@, und mir
prav Hörner aufsezen, auch dich gar an der gesundheit ruinir>en@. basta>,@ wann du
die grösten Brok>en@ abgezahlt hast, so nimm dir ein>en@ tag Zeit zu überleg>en@,
ich schreib dir aufrichtig, ¿ndest du es zu unsern nuzen so thue es, glaubst du ich
thue es auß Malice, so kome gleich, ich werde dich mit freud>en@ erwart>en@ und
steht alles bey dir, rechne die Zeit auß, und resolvire dich zu was du wilst, du siehst
daß ich in der welt thue was ich kan, glaube daß ich hier so viel vernunft habe,
als ich niemals gehabt, e tanto basta. schicke mir ja das opern mieder und stikrok,
dann ich werde zu Copp>enhagen@ die 1.ma donna mach>en@ in der 2:t>en@ opera, hier
hab ich selbst nicht gewollt weg>en@ der pomp>eati@>.@ schicke mir etliche kleine
stücke von den rothen grotitur, oder wann du Zeit hast so laße sogleich die Ermel
in dem roth>en@ sack verändern, aber nicht die aufschläg>,@ jedoch sie müßen um
etwas weiter seyn. gehe öfters zum sollenthal. vergieß ja nicht das gedrukte papier
vor d>en@ Herrn Imp>resario@ zu schik>en@ und die comissionen so du kanst. auch
die steknadeln>.@ ich küße dich 1000. und ersterbe de>in@e t>reue@ Marianna.
VORLAGE: HStAS, Signatur A 202 Bü 2840, 1 Doppelblatt, 4 beschriebene Sei-
ten Beschädigung durch Siegelöffnung und an den Faltkanten auf S. 3/4.
THEMENKOMMENTAR:
Marianne gibt in ihrem Brief Einblick in ihren künstlerischen Alltag und lässt
erkennen, wie stark der Konkurrenzdruck innerhalb des Ensembles war: Offen-
sichtlich war einzig ein Erfolg beim Publikum („credit machen“) Garant für eine
dauerhafte vertragliche Bindung an Mingotti . Kritik an den künstlerischen Leis-
tungen der anderen Ensemblemitglieder und deren Strategien zur Festigung ihrer
Position per Empfehlungen waren Teil der Selbstdarstellung. Ein Schlaglicht
zur Bühnenpraxis gibt die Bemerkung zum ausgeliehenen (Bühnen-) Schmuck,
während der Hinweis auf die verschwiegene Schwangerschaft der Pompeati
aufzeigt, unter welch prekären sozialen Umständen Sängerinnen der damaligen
Zeit tätig waren. Breiten Raum nehmen wieder die Überlegungen zur Lösung der
dringlichsten ¿nanziellen Probleme ein: Bezahlung der Schulden beim Grafen
Haslang , Unterhaltszahlungen für die Kinder, Ablöse der Pfänder und Erschlie-
ßung neuer Geldquellen. Franz Pirkers Brief vom 10. Oktober 1748 (47) zufolge,
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur