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190 Edition der Briefe
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30 Brief Nr. 43
Franz Pirker aus London an Marianne Pirker in Hamburg,
7. Oktober 1748
A Madame
Madame Marianne Pirker pres>entement@ à Hamburg.
x> N.o 13. Vom 7t>en@ >octo@bris >1@748.
London den 7t>en@ >octo@bris A>nno@ 1748
Herz Allerliebste Marianna
Wenn ich deine Briefe mit gröster Begierde erwarte, da bleiben sie just aus. In
meinem lezten habe ich gemeldet, daß die Post nicht angekommen, /: welches
heüte zur Vermehrung meines Vergnügens eben so ist, so sie nicht diesen Abend
etwa einlauft :/ den Dag darauf habe zwar einen Brief vom Jozzi aber nicht von
dir bekommen. Ich wäre gar zu glücklich, wenn mir nur ein \einziges/ Ding allein
nach Wunsch gienge, um nicht aus der Gewohnheit zu kommen, so gehet gehet
gleich alles überhaupt schlim. Mein lezters wird den Jozzi auch nicht mehr in
Amsterdam angetroffen haben, dieses thut mir sehr leid, dann es war vieles des
Reginelli wegen darinn, welches er gleich hätte wissen sollen. Dieses leztern Ab-
reise, und sein Henkermahl ist mir sehr übl bekommen. Mir war schon etliche
Däge her nicht recht wohl, und nachdem ich durch Briefschreiben \selben Abend/
meinen Kopf sehr erhizet, muste ich bey einem grossen Kohlfeüer, welches ich
heüer noch nicht gehabt, soupiren, und die innerliche Hize machte mich dürsten
und etwas mehr trinken, da mir Reg>inelli@ und der Hausherr auch zugesezt, und
so wurde mir mein Geblut so entzündet, daß ich schon 4 Nächte nichts schlaffe,
greüliche Kopfschmerzen, und keinen Appetit zum essen habe, keine Wart, und zu
mein>em@ Trost melancholie, Einsamkeit, Chagrin und Kumer. Heüte ist der Dag,
da man mir will Aderlass>en@>,@ dessentwegen schreibe ich dieses diesen Morgen
vorhinein \und das nöthigste/. Der Brandenburger aber ist noch nicht gekommen.
Indessen ist es noch febris intermittens, aber sehr geneigt zum hizigen, weil ich
fast gar keine Kälte. Wenn du dich nicht erschrecklich bey Gott an mir versündi-
gen willst, so giebe mir keine Schuld daß ich nichts ausrichte, dann dieser Vorwurf
bringt mich ums Leben. Die Milady Mid>dle@sex hat den Brief dissimulirt, nun hat
der Maestro Nicolai der Madame Rizzan einen erbärmlichen Brief meiner Krank-
heit wegen zu geschrieben, sie solle der Prinzessin doch zureden, daß sie den Mi-
lord zuredt, sie weis es daß ich ihr mit der PenyPost geschriebe>n@, und wann mir
Gott die Kräften morgen giebt, so schreibe ich den nemlich>en@ Brief nochmahl
ab, und er wird in des Prinzens eigenes Paquet eingeschlossen werden, daß ihr
ihn der Prinz selbst geben muß> @ ich werde auch noch etliche motiva beysezen,
worunter dieses, daß nunmehro alle abgereiset, und ich ganz allein hier. Jezt lauft
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur