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110 thu es um dir zu beweisen, daß da ich um keinen >Kreuze@r Credit auch \keinen/
Heller habe, wie kann ich diese Sach>en@ anschaffen? hättest mir also wenigs-
ten Zeit zu gewinnen, und die Sach>en@ indessen einzukauff>en@, etwas Geld
schick>en@ soll>en@. Verzeihe meinem Schmerzen was, daß ich so schreibe, dann
mein Herz ist gar zu sehr unterdrucket, es kostet mich noch mein Leb>en@. Endlich
ist Herr Brandeburg gekommen und hat mich etwas aufgerichtet. Dann er war in
der Stadt nach einem Hamburger Schif gewest, welches zu End der andern Woche
abgehen solle, ma non lo credo cosu presto. Sie haben ihn aber sehr versichert dann
er hat was mitgegeb>en@. Bekomme ich unter dessen keine andre Hilffe, so will ich
dem Realy proponiren, daß ich freywillig in arrest gehen will, bis man mich aus-
löset, er solle nur den Coffre abfolgen lassen. Gott weis es, ob es mir nicht Ernst,
dann dieses wäre \was/ weit geringers, als was ich bisher gelitten. Hernach hat er
mir gesagt daß ich nicht nöthig Ader zu lassen habe, aber zu purgir>en@, um mir die
Hize aus den Kopf zu bringen. Gott gebe mir nur bald wieder meine Gesundheit,
wozu viel contribuir>en@ würde \wann ich/ von dir ein erfreüliches Schreiben zu
erhalten, aber es ist bereits schon Abend, und der Wind höre ich, seye contrair.
Ich habe vieles mit dem armen Brandenburger gesproch>en@ wegen des Cham-
pig>ny@ der ihn um 20 lb betrogen. Doch wolte ich nicht, daß das, was zu deinen
revange dienen solle, dir in der Hiz entfahre, und dich in einen >S. 3@ in einen >sic@
greülich>en@ Verdruß bringe, deroweg>en@ verwarre diesen Brief wohl, daß er nie-
mand in die Hände fälle, od>er@ gelesen werde, dann der andre ist gleichwohl ein
M>ini@st>e@r von 2 grossen Churfürsten, und du weist es wie es in ReichsStädt>en@
ist. Er ist ein so saubrer Kerl, daß er den Larwich den gut>en@ Freund vom William
einen Kup>pler@ abgegeb>en@ \ihn ruinirt/ und wirklich mit den Hur>en@ das Geld
getheilet. Diesem wird er nun ganz gewis die gute Freündin in Coppenhag>en@
recoma>ndiren@>,@ nun mus man dahin tracht>en@, daß es dort kund werde so ver-
liert sie gleich allen Credit bey Hof. Dann der Cavalier ist ganz verrachtet dort,
und ist gut daß du keinen Brief an ihn hast. Hernach wird mir Brand>en@b>urger@
eine Verzeichnis seiner Schuld>en@ geb>en@, vieleicht lassen wir sie druck>en@, und
dort an die Börse anschlag>en@. Unterdessen wann du ohne Gefahr kanst, so lasse
seinen Haush>errn@ verdekter Weis warnen. Brand>en@b>urger@ schreibt heüt auch
an ein>en@ gut>en@ Freünd, und thut das nemliche. traue kein>em@ Welsch>en@, auch
dein>en@ Handwerker nicht, denn er ist viel zu einfältig. Du wirst auch wissen, wie
weit die Verträuligkeit mit Signor Mingotti /: den ich mein Compl>iment@ abzu-
leg>en@ bite :/ und den Pompeatisch>en@ gehe, die dicke Frau muß man aufhez>en@,
sie ist in Coppenh>agen@ schon bekant, und die ist mit ihr am üblesten dran, wird
auch schon ein Mittl wissen, alles dorthin zu bericht>en@. Wann das Weib wirk-
lich Verdienste, so ist es \in/ Gewissen, bringt sie \sich/ aber durch Spiel>en@>,@
hu>ren@ od>er@ kupeln \durch ihren Mann/ empor, so verdient sie solches, und
der Petitmaitre thut alles nur solcher Ursachen weg>en@. Herrn Gluck lasse mich
empfehl>en@, und wissen, daß der Poy wirklich an seiner Uhr arbeite. Monsieur
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur