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der Briefe
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120 das Portrait von deinen charmant>en@ Hindern, mache es selber bey einen Spie-
gel. Ich küsse ihn viele 1000 mahl in Gedanken. Dieses einzig und allein könte
nebst der Nachbarschaft meine abgemergelte Kräft>en@ auf einmahl aufricht>en@.
Ich hoffe ihr werdet so bald nicht verreis>en@, als du mir schreibest, und das Schif,
vieleicht ich selber>,@ wird noch so glücklich seyn eüch in Hamburg anzutreffen,
daß hoffe ich zu Gott. Das Schif gehet noch ganz gewis diese Woche, ich bin meist
mit allem fertig. An Signor Mingotti und ganze Compagnie mein Compliment,
Seye um Gotts willen gescheid, die Kopfschmerz>en@ machen mir auch Kopf-
wehe. Adieu ich küsse dich zu 1000 mahlen als dein getreüer Pirker bis in Tod.
VORLAGE: HStAS, Signatur A 202 Bü 2839, 1 Doppelblatt, 4 beschriebene Sei-
ten Beschädigung durch Siegelöffnung.
THEMENKOMMENTAR:
Der Brief beleuchtet die Umstände, die zur Pfändung der Habe der Pirkers durch
Realy geführt haben. Franz und Marianne wollten einen ablaufenden Schuld-
schein durch einen neuen ersetzen, scheiterten aber mit diesem Ansinnen bei ihrem
Hausherrn, der, englischem Gesetz entsprechend, das Eigentum der Pirkers pfän-
den konnte, um es ggf. zu verkaufen. Franz gelang es, nach Mariannes Abreise
Kaution zu stellen und die Pfänder auszulösen. Er wollte allerdings die gegen-
über dem Earl of Middlesex bestehenden Ansprüche nicht aufgeben, zumal das
ihm verbliebene Restgeld für eine Reise nach Hamburg und Kopenhagen sowie
die Bezahlung der „Commissionen“ nicht reichen würde. Deutlich wird an dieser
Stelle wieder, welch große Bedeutung ein gesicherter Standort für den Winter
und die Höhe der Lebenshaltungskosten hatten. Während der Lebensaufwand in
Kopenhagen wie in London hoch war, hätte ein Aufenthalt in Stuttgart im Haus-
halt der Schwiegereltern eine deutliche Kostenersparnis bewirkt. Alternativ dazu
erwägt Franz, die neuen Kontakte Giuseppe Jozzis auch für sich zu nutzen, um
sich in Paris durch Drucklegung eigener Werke einen Namen zu machen und da-
mit auf eine längerfristig gesicherte Existenz hoffen zu können.
Die von Franz als tödlich bezeichnete Krankheit, unter der er zuvor gelitten
hatte, könnte ungeachtet aller Hinweise auf seine „Chagrin“ eine der in jener Zeit
weitverbreiteten Geschlechtskrankheiten gewesen sein. Dies würde Mariannes
Sorge um das Sexualleben des Gatten und eventuelle Kontakte zu der „Hur Schia-
vona“ auch unter dem medizinischen Aspekt rechtfertigen.
EINZELSTELLENKOMMENTAR:
> Dein schäzbahrstes vom 11t>en@ hui>us@:@ Gemeint ist Brief 49.
> daß ich von einer tödlich>en@ Krankheit « aufstehe, welche meist darum
entstand>en@ daß mein feindseliges \Glücke/ mir alle Wege abgeschnitten dich zu
vergnügen:@ Diese Bemerkung könnte sich dahingehend deuten lassen, dass Franz
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur