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70 und dich in meine Stelle sezen wilst, Ursach hättest deine Treüe gegen mir zu
verdoppeln, >so@ begehre solches nic>ht@ >S. 2@ meinetwegen alleine, sondern x>
\deiner/ eignen Ehre und Bestens und der lieben Kinder wegen. Betrachte was für
ein Unheil und Unglück es wäre, wenn die Welt unlaugbahre Merkmahle erführe,
und an das Taglicht kommeten, welches Uns mit Gewalt auf allzeit trennen müste.
Ich will dich weiter nicht beschweren, und traue dir alles gutes zu, verzeihe mir
auch, daß ich dieses geschrieben allein der \wer/ liebet, der x> \förchtet/, und
ich weiß, daß \du/ ganz gewiß der Gefahr ausgesezet, und daß du ein Mensch
der fehlen kan, wie alle andre, und die so gar nach den Herzen Gottes waren.
Mein ungewisser, und verlaßner Zustand verbietet mir ohnedem die allergeringste
Ausschweifung. Meine Gedanken sind nur auf dich, dein thun und Lassen,
Bestes auf die arme Kinder, auf mein Schicksal, was endlich mit mir werden
solle? was d in Erwartung was du wegen meiner, wo ich überwintern solle? schrei-
ben \wirst/ wie ich hier aus der Egiptischen Gefängnis entkommen könne? ge-
richtet. Ich glaube, daß dieses solche Wichtigkeiten, die einem wenig Ruhe und
Schlaf, geschweigenst anders zu lassen, wozu noch kommt, woher ich was zu
essen nemme? Nun werde ich anfangen den Milord, der morgen wieder herein-
kommet, so zu verfolgen, und zu tormentiren, daß er mir aus Desperation was
geben muß. Die Milady hat sich gegen mir so expectoriret, wie ich leztens schon
geschrieben, daß ich darob erstaunet, allein mir ist dardurch nicht geholffen wor-
den. Mon- Dienst- Mittwochs, und Donnerstags war ich alle Dage in der Stadt
und ich bin mit einen Kaufmann mit Beyziehung verständiger und hierin >erfahr@-
ner Freünde sehr weit gekommen halben theil Geld, und halb>en@ theil gangbahre
>W@ahren zu empfangen, allein zu meinen Unglück kamme sein Bruder vom
Lande, der ihn abgerath>en@ mit Milord Midle>se@x nichts vorzuhaben. Der-
gleich>en@ negotiu>m@ ist anderwerts noch im ¿eri /: leztermeldtes aber ist mir
erst gestern abgesagt word>en@ :/ solte ich nun zu ein>em@ guten und nüzlichen
Schlus kommen, so must du und Signor Mingotti anstalt machen, ob ich die
Wahr>en@ an Herrn Porta abschicken, und solche erst bey der Rückkunft von
Dennemark verschleißet, oder ob solche nach Coppenhagen spediret werden \sol-
len/? allwo man mir sagt, daß doppelter pro¿t zu machen wäre, allein der Zoll
wäre entsezlich. Alles dieses könnt ihr nun besser, als ich wissen, und veranstal-
ten. Diese Wahren bestehen in Galanterien, Uhren, tabatier>en@ pp die meist dort
gangbahr, und ganze Schif Ladung derorthen von hier abgehen. Mit Tüchern und
Zeügen ist für Uns nichts ersprießliches. Die Affaire mit Herrn Lehmann war
auch im gut>en@ Stande, und sehr avanciret, allein Milord Midl>ese@x hat durch
einen andern Freünde bey dem eigenen Kaufman 1400 lb St>erling@ aufzunemmen
gesuchet, welches mir alles verderbet. so muß ich es glaub>en@, weil man mirs
so vorsaget. Man hat mir zwar den Kaufmann \genennet/, und Mittel an die
Hand gegeben, daß ich mich selbst informiren könne, allein was hilft mirs Nun
siehest du, daß ich nicht Zeit verliehre, keine Mühe und Gang nicht spare, und alles
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur