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105 dich >S. 3@ nicht bergen können, indem sie in den Conto den ich seit unsern hier-
seyn gemacht des Prinzens regalien aufzumuzen gewust. Ich habe aber schon a
propos geantwortet. Ich muste so reden, weil sie angefang>en@ und halb gestichelt,
daß wir immer Leüte zu Gast gehabt, und unser Taffel viel gekostet. Er war der
jenige, so Reginelli in Kiow die Audi>enz@ zu weg>en@ gebracht und die Adresse
an die Milady How weg>en@ der Recom>en@d>ati@on wenn er nach Holland gehet
an die Prinzeß von Oranien. Ich habe aus ihren beeden Großthun und gut>en@
Muth \wegen/ das von der Reise, und Opera Francese noch größern Argwohn
geschöpfet. Nun heisset \es/ der Prinz und Milord sollen Geld \bekommen/,
sie stek>en@ immer auf den Land, und wir haben hier, ausser dann und wann
Reg>en@, eine Saison, wie Anfang des FrühJahres schon die ganze Zeit her als du
aus bist, und das macht, daß der Prinz hier kein Bleibens. Das schlimste ist, daß
man hier aus einer Woche so viel macht, als wie, wenn man andrer Ort>en@ spricht,
komm der Herr nach Mittag wieder. Vaneschi läst sich schönstens empfehl>en@,
und verspricht mir alles in der Welt für mich zu thun, ich will ihn \den Milord/
aber auch im Park, und aller Ort>en@ verfolgen. Ich gienge gern zur Nardi, aber ich
förchte der Fioravanti, der immer dort stekt sagt ihr deine Rede, so du wegen den
hintern Thor gethan. Dienstag über 8 Däge solle die erste Opera seyn. Die Leüte
sind vom Impre>sario@ wie auf der Galeren gehalt>en@, es kommt keiner nirgend
hin. Etliche sag>en@ die Nardi danze nicht mit>.@ Eine Satyra ist in Engl>ischen@
Zeittungen heraus gekommen, der Imp>resario@ Crossa solle sagen, ober er >sic@
ein Manns, oder Weibsbild seye? Bis 8 Uhr habe ich auf Briefe gewartet, und
spatiu>m@ gelassen, wann etwa dir was zu beantwort>en@, allein obschon die Post
\zwar wirklich/ gekommen, so werden sie auf diese Weise \doch/ die Briefe erst
morgen austragen, damit ich um 15 oder 24 Stunden länger gequälet werde, denn
du kanst mir nicht glauben mit was für Verlangen ich mich nach deinen Briefen
sehne, welche mein einziges Vergnügen. Es ist mir leyd, daß dir das Schreib>en@
so beschwerlich falle, allein ich hoffe daß du in Dennemark mehrer Zeit darzu
haben wirst, ich förchte aber auch zugleich, daß ich wegen der Entlegenheit weit
seltner werde Briefe erhalten. Vergies auf das Portrait nicht, und wann dort>en@ ein
habiler Mahler, so lasse dich in Ernst abconterfai>en@ vor mich und deine Kinder.
Das andere gehöret vor mich allein, lasse aber Niemand zusehen, wann es gemacht
wird. Hätte ich ehender hier darauf gedacht. Basta. Lebe wohl, und liebe mich
wie \ich/ dich, als der ich dich zu 1000 mahl küsse und verbleibe dein getreüer
Pirker bis in tod>.@
VORLAGE: HStAS, Signatur A 202 Bü 2839, 1 Doppelblatt, 4 beschriebene Sei-
ten Beschädigung durch Siegelöffnung.
THEMENKOMMENTAR:
Gesundheitliche Sorgen sind in den Briefen allgegenwärtig, weil angesichts der
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur