Seite - 315 - in Die Operisti als kulturelles Netzwerk - Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
Bild der Seite - 315 -
Text der Seite - 315 -
315Edition
der Briefe
75
80
85
90
95
100 die wäsch wasch>en@ laßen welches villeicht noch höer als 2 lb wird gekomm>en@
seyn, sie weiß es selbst nicht, mithin wird mann es ihr schon geb>en@ müßen. Die
pantomimi kanst du seyn lassen, er braucht sie nicht mehr. weg>en@ den portrait
ist es unmöglich, dann es ist hier keine mahlerin, villeicht laße ich aber mein
portrait vor die Kinder, von ei>nem@ mahler mahlen, must du also gedult haben,
und wird dir alsdann das original beßer gefallen, dann ich werde mir ein futeral
darüber mach>en@ laßen, damit ihm die sonne nicht verbrennt. Kanst du ein>en@
pro¿t an de>n@ waar>en@ hofen, so thue es allein, schike sie ja bey leib nicht
hieher, dann es ist eine entsezliche doghna und ist solches beser zu Hambu>rg@
>X@ >X@g>en@, aber laße dich nicht betrüge>n@ mit masque ist hier gar nichts zu
thun, dann sie sind auf ewig verbotten, und zu deiner regel es kommt künftiges
monath kein >Schiff@ mehr hier an, biß auf das fruhjahr, geht auch keines mehr
ab weg>en@ d>em@ unbeständig>en@ wind, es wäre sonst eine lust reise und weit
kürzer als in Engelland mit gut>em@ wind. weg>en@ d>em@ copir>en@ der arien
ist es unmöglich, dann es ist des tarbes sein affaire, und der impres>ario@ hätte es
mir gewiß gethan. allei>n@ es ist unmöglich, an unserer tafel ist sonst keine weib
als die Bufa welche eine Hur –– osà eine jungfer ist, ich darf auch gar keine
dif¿cultät mach>en@, dann du siehst ja daß ich der >sic@ gottes will>en@ eße. mei>n@
gott ich hätte mir so ei>n@ Kleyd mach>en@ laß>en@, allei>n@ ich habe nur wenig gelt
mehr zu hab>en@ NB: in Hamburg ist alles zohll frey. ich kan dir unmöglich mehr
antwort>en@, dann die ankunft der turcotti so eb>en@ heut ist verhindert mich, ich
bedaure nur daß alle arien von artaserse in Coffre sind, tausend creuz hat mich der
verÀuchte coffre gekostet, und so viel gelt. le ragazze stanno bene, die cuzzoni
wird wohl nicht mehr zuruk komm>en@, ich habe d>en@ Eltern versproch>en@ die
ostern bey ih>nen@ zu halt>en@. wird aber schw>e@h>rlic@h seyn kö>nnen@. ich werde
grausam geplagt zu Hamburg nach ostern opern zu halt>en@, villeicht wirst du ein
impressario, dann der Ming>otti@ will absolute nicht mehr zu Hamburg spihl>en@,
das conseillirat hat ihm völlig zum narr>en@ gemacht. adieu hab mich lieb und hofe
zu gott, und meine conduite. ich küße dich 1000. \mal/ hab mich lieb, und schreib
mir alles von der opera. leb wohl adieu adieu.
VORLAGE: HStAS, Signatur A 202 Bü 2840, 1 Doppelblatt, 4 beschriebene Sei-
ten Beschädigung durch Siegelöffnung und an den Faltkanten.
THEMENKOMMENTAR:
Der Brief beleuchtet ungewöhnlich ausführlich die Begleitumstände des Reisens
und damit auch der Künstlermobilität im 18. Jahrhundert. Des Weiteren zeigt
er wie genau es die „Noblesse“ mit den Empfehlungen nahm und wie sehr diese
offenbar an gesellschaftliche Spielregeln gebunden waren: Ein an die falsche Per-
son übergebenes Schreiben war augenscheinlich ein gravierender Fauxpas. Die
Tatsache, dass Marianne gleich bei ihrer Ankunft aufgrund der bevorstehenden
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur