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50 ob die Dicke giftig ist daß sie gleich anfangs außbleibt, alleine die opera ist
kurz. Heute ware der junge graf lerwich bey mir, er läst sich mistress Willams
empfehlen, es ist ein charmanter Herr. hat sich indeßen verheyrathet und eine
sehr reiche partie getrofen. Hier ist mit keiner wahr etwas anzufang>en@, daß die
togana ist unerträglich. ich kan das geld von niemand begehren wegen denen
comissionen biß ich ihn>en@ sag>en@ kan wann und wohin du komst. es freut mich
daß du das deobservirt hast, in Hamb>urg@ lacht>en@ viele darüber. aber mein
gott >S. 2@ warum hast du die steknadeln nicht geschikt vor die turcotti? es ist ja
natürlich daß sie solche hier und nicht in ittalien braucht. schreibe d>en@ Eltern
keine Miserien oder starke Krankheit sonst>en@ sterb>en@ sie>.@ ich weiß sonst von
kei>nem@ regal außer daß mir der jozzi von Holland auß ciocolate, ei>n@ silberns
milch döpfel, 6: silberne löfel geschickt ich habe ihm nach paris geschrieb>en@.
>S. 3@ Das papier schlägt durch, ich kan nicht mehr auf die andere seite schreib>en@.
es geht mir auch oft so, dann deine Brife schlag>en@ auch stark durch. Die arien
in bajazet sind. voi che sciolto il piede avete so die casarina gesung>en@ e piacceva
assai a hamburgo. 2: la bella Irena del original. 3. leon cacci>a@to in selva so die
casarini gesung>en@. 4. cara sposa amato bene so du mir geschikt hast und ei>n@
halbes duetto mit d>em@ Haager, welches sehr schön ist. Die andern alle hab>en@
nur 3. arien.
wir werd>en@ vor die 3.te d>en@ artaserse mach>en@, aber o gott du hast mir die >aria@
per quel paterno amp>lesso@ >unn@ütz mitgegeb>en@, und der coffre wird wohl
2: monath außbleib>en@. adieu lieb mich, ich muß zur prob: gott erhalte dich ich
bi>n@ deine getreue Ma>ria@nna>.@
VORLAGE: HStAS, Signatur A 202 Bü 2840, 1 Doppelblatt, 4 beschriebene Sei-
ten eingeschränkte Lesbarkeit wegen durchdrückender Schrift auf S. 1/2, Beschä-
digung durch Siegelöffnung und an den Faltkanten.
THEMENKOMMENTAR:
Mariannes Aussagen dokumentieren, auf welch vielfältige Weise (vom Gerücht
zur gezielt gestreuten Nachricht) das Informationsnetzwerk der Opernschaffen-
den genutzt wurde. Ihre Feststellungen zu dem Angebot aus Wien belegen, welch
große Unterschiede in der Gage bestehen konnten (s. Rosalie Holzbauer ) und
in welcher Relation zur angebotenen Summe sich die Aufwendungen für Rei-
sen zuweilen bewegten: Im vorliegenden Fall hätte die Reise von Kopenhagen
nach Wien ein Viertel der dort in Aussicht gestellten Bezahlung ausgemacht. Das
Bestreben, jeweils für den Winter ein gutes Quartier mit hinreichendem ¿nan-
ziellen Ertrag zu ¿nden, das etwa auch in den Plänen Franz Pirkers für die Zeit
nach seiner Abreise aus London eine Rolle spielt, ¿ndet in den Reisehindernis-
sen der kalten Jahreszeit seine naheliegende Erklärung: Die Mingotti-Truppe
hätte Kopenhagen während des Winters, wie Marianne deutlich macht, wegen der
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur