Seite - 358 - in Die Operisti als kulturelles Netzwerk - Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
Bild der Seite - 358 -
Text der Seite - 358 -
358 Edition der Briefe
75
80
85
90
95 gleichwie ich dich gleich den Posttag darauf berichtet. Das heisset recht argwöh-
nisches seyn, was man mir immer vorrükt. Die Trompet>en@ Aria ist in dem Coffrè,
aber es war andem daß ich sie nicht geschicket, weil du sie schon einmahl in
Hamburg gesung>en@, und nicht viel gemacht, in Coppenh>agen@ dachte ich nicht
daß ein trompeter wäre, der es im Stand zu blasen, und daß ihr nichts anders, als
was in Hamb>urg@ schon repr sentirt word>en@ machen werdet. Wegen Wien ¿nde
ich nicht, daß die 2de Donne dort übl tractirt sind, au contraire, allein die andern
Ursach>en@, die du anführest sind raisonabler denn diese. Ich sage nicht, daß
ich nicht gerne in Wien bin, aber ich bekenne anbey, daß kein grosser avantage
zu hoffen, und dieses ist schon genug, daß ich mich zufrieden stelle. Ich winsche
dir Glück zu dem was du mir von Baron Juel und der Königin schreibst, und
hoffe, daß alles besser gehen solle, als du selbst glaubest. Du schreibst nichts,
wie du der Königin gefallen, und wer sonst. Die Turcotti glaube ich dissimuliret
destweg>en@, um nicht bey Hof es zu verderb>en@, wenn sie deine recomendation
weis, und die histori mit der Buffa gesehen. Wegen den Punct>en@ müste ich
alle Brieffe nachschlag>en@, id e>st@ die erstere. Der arme Antonio Zanetti der
alte Nickel, ist gestorb>en@ schon vor ungefehr 5 od>er@ 6 Monath, habe es von
Joli gehöret. Leztlich>en@ winsche ich dir glückliche und vergnügte Feyerdäge
von Herz>en@ so wohl als mir selbst>en@, und es ist mir leid genug daß ich denn
unschuldigen Dag nicht celebriren kan, er würde recht lebhaft ausgefallen seyn,
wegen den obigen 2 punct>en@, und er solle hübsch eine rosenfarbe Packen bekom-
men haben, ich verspare es auf ein andermahl, unterdessen sey nur imer jaloux
damit, ich küsse ihn in gedanken, und dich allenthalben, liebe mich wie ich dich,
und ich ich bin dein getreüer Pirker bis in Tod.
VORLAGE: HStAS, Signatur A 202 Bü 2839, 1 Doppelblatt, 4 beschriebene Sei-
ten Beschädigung durch Siegelöffnung.
THEMENKOMMENTAR:
Da sein Opernbesuch auf einen Posttag fällt, ergreift Franz die Gelegenheit, um
sich ausführlicher als sonst zu seinen Eindrücken zu äußern. Sein ausgesprochenes
Misstrauen gegenüber der brieÀichen Übermittlung von Informationen führt auch
in diesem Brief zu Informationsde¿ziten für den Leser, weil sich Andeutungen
nicht entschlüsseln lassen (s. die Angelegenheit mit dem „Calender“, vgl. auch den
Brief vom 3. Dezember 1748, 81).
EINZELSTELLENKOMMENTAR:
> deinen Brief:@ Brief vom 3. Dezember 1748 (81), s. dazu die Eingangsbestä-
tigung im Brief vom 31. Dezember 1748 (89).
> kurz bevor ich in die Opera gehen wollen:@ Am 17. Dezember 1748 wur-
de am King’s Theatre Haymarket Orazio von Gaetano Latilla gegeben (King /
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur