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der Briefe
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90 in oratorio spiehl>en@ wirst. Bedanke dich noch nicht beym graf sollenthal, dann
ich muß zugleich der myladi ei>nen@ Brif schreib>en@ Heute ist es unmöglich,
dann es ist general prob. >S. 3@ es heist ich soll morg>en@ mit der turcotti wieder
beruf>en@ werden, noch habe ich aber keine ordre es reuet mich 1000 mal daß ich
dir die Krankheit des Klugs beschrieb>en@, um gottes will>en@ sage niemand nichts
ich habe meine ursachen, er ist schon um viel besser der Àegel ist nur allein vor die
pompeatti portirt, weil>en@ ihm der Kopp 10 ducaten in einer silbern dosen ge-
schenkt. apropos ich bin die übersezerin derer arien ins teutsche, o daß es Gott er-
barme. unser teatro ist nicht so friquentirt, als wie vor einem jahr, wegen der fran-
zösisch und dännischen Comedie, erkundige dich doch ein wenig in Wahrheit wie
es in Holland ist, er hat an den lappis geschrieb>en@ hat aber noch keine antwort
ich habe von Jozzi nur einen Brif auß paris erhalten, so viel ich merke, so glaubt er
du seyest schon von london weg, ich weiß nicht warum, wilstu an ihm schreib>en@
so adressire es dans la Rüe mont Ma Martre a lތhottel lambesse chez Madame la
Blond, Marchande Orphebre pres le gout. oder schicke den Brif nach amsterdem
es ist sicherer. bij min heer de heer Philippus Roos op de heer gragt bij de berg
straat. Die Briefe so du mir meldest habe ich alle bekommen. zu wien tractir>en@
sie auch die Masi und haben ihr 300 ducaten offerirt, sie wird aber auch schwerlich
gehen, nun solten sie ohngefehr an mich schreib>en@, so werde ihnen spiz¿nnig
genug antwort>en@, und nicht anders als prima donna gehen adieu ich muß schlie-
ßen und küße dich in gedank>en@, aber ziehe gleich auß den Hauß in questo punto
vengo invidata a cantare dimani anchތio, colla turcotti la pompeati è racomandata
al maestro cosu lui la farà andare come lui ma io sono comandata della corte.
VORLAGE: HStAS, Signatur A 202 Bü 2840, 1 Doppelblatt, 4 beschriebene Sei-
ten Beschädigung durch Siegelöffnung und an den Faltkanten auf S. 3/4.
THEMENKOMMENTAR:
Marianne beschreibt ihren Umgang mit dem dänischen Hof und die Art und Weise,
wie ein Kammerkonzert unter persönlicher Beteiligung der Königin am Cem-
balo mit Konversation beim Tee verbunden wurde. Bemerkenswert ist, dass zu
letzterem auch die Künstler eingeladen waren. Mit der Behauptung, der Flegel
Gluck habe sich von James Cope bestechen lassen und sei deshalb von Teresa
Pompeati eingenommen, fügt Marianne dem zu Genüge bekannten Geschäfts-
sinn des Komponisten eine weitere Facette hinzu. Die Schönheit der Sängerin
wird ihn, der von den Pirkers als Schürzenjäger charakterisiert wird, in seinem
Tun zusätzlich beÀügelt haben. Im Hinblick auf das Londoner Alltagsleben im
18. Jahrhundert ist die Randbemerkung zur Verbreitung der Prostitution im Um-
feld der Pall Mall und des Haymarket Theatre von Interesse. Sie ist auch Ausdruck
von Mariannes Sorge um die Gesundheit ihres Ehemannes, die als moralische
Warnung verklausuliert in den Briefen immer wieder thematisiert wird.
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur