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30 Brief Nr. 95
Franz Pirker aus London an Marianne Pirker in Kopenhagen,
10. Januar 1749
A Madame
Madame Marianne Pirker pres>entement@ à Coppenhagen.
No 36. \34/ vom 10t>en@ Jenner >1@749
London den 10t>en@ Jenner A>nno@ 1749.
Herzallerliebste Marianna
Ich habe zwar seit deinem lezten, auf welches ich vorigen Postdag den 7t>en@ ge-
antwortet keinen Brief erhalten, obwohlen seit dessen eine Post eingelauffen,
ich wolte aber deinen Geburts Dag, welcher den 27t>en@ huius einfällt>,@ nicht ver-
saumen, so habe durch gegenwärtiges bevor kommen wollen, in Hofnung, es solle
wohl innerhalb 17 Dägen noch recht eintreffen. Ich winsche dir demnach von
Grund meines Herzens alles gegenwärtige und künftige, Heyl, Wohl der Seelen,
und des Leibes, beständiges Vergnügen, Gesundheit, Ruhe und Gemüths Zufrie-
denheit, welches allen Schäzen der Welt vorzuziehen, welche dir der liebe Gott
auch so viel, als es nöthig zu deiner \Ehre/ und auskommen, auch guter Auf-
bringung der lieben Kinder mittheilen wolle: und daß du eine langwierige Wieder-
hohlung solcher Geburts Däge auf bessere Art als die vorhergegange, und wie ich
sie dir jezt angewunschen, erleben, und anbey mich beständig und aufrichtig lieben
mögest. Ich habe dir zu deiner Ruhe auch noch ausfürlicher den Scrupl, den du
meiner dermahligen Wohnung hast>,@ aufrichtig benemmen wollen. Auf vieles be-
ziehe mich auf mein lezteres. Einmahl und vor allemahl kanst du glauben, daß ich
so lang ich in London bin, niemahls weniger von dieser Waar, wie du schreibest,
in meiner Nachbahrschaft zu sehen \oder zu hören/ bekommen. Ich habe nicht
einmahl an dieses Gässel eher gedacht, als bis du mich darauf erinneret, denn es
gehet kein Fenster von unsern Haus und den ganzen Court in dießelbe. Im vori-
ger Wohnung hättest du eher Ursach gehabt, denn dort waren sie nahe, und man
hörte das Geschrey die ganze Nacht wie in Panton Strit. Einmahl hat man Morder
geruffen unter meinen Fenster, und da ein>en@ halbtodtgeschlagene>n@ von Wäch-
tern, die zimlich langsam wie die Oelberger gelauffen kammen, weggetragen.
Es war auch dieses eine Mitursach, daß ich gar wohl zu frieden war, daß ich mit
schöner Manier aus dem Haus gekommen, denn das öftere ausziehen kostet viel,
und machet keine reputation, bevoraus mir, der wegen Durchgehen >S. 2@ immer
beargwohnet wird. Nun weist du die Ursach, warum sie mir dort zu sagen das
Quartier aufgesagt, jezt wisse auch die Ursach>en@ warum ich hieher gezogen.
1mo habe ich gewust \von Borosini aus/, daß die Haus Frau ein ehrliches gutes
und dienstbahres Weib seye, die gewis nichts mal honêtes zu läst, und wenn sonst
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur