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30 Brief Nr. 106
Franz Pirker aus London an Marianne Pirker in Kopenhagen,
11. Februar 1749
A Madame
Madame Marianne Pirker pres>entement@ a Coppenhagen
No 40. \38./ Vom 11t>en@ Febr>uarij@ >1@749.
London den 11t>en@ Febr>uarij@ 1749
Herzallerliebste Marianna
Weil es schon wieder bald 4 Woch>en@, daß ich von dir keinen Brief erhalten
/: ausser den lezt>en@ kurzen den ich für keinen rechne als nur in so weit, daß er
mich deiner guten Gesundheit versichert :/ so muß ich wieder antreib>en@ um die
correspondenz zu erhalten. Dieses Stillschweig>en@, und daß du auch wegen des
Gelds so sehr auf mich, id e>st@ vielmehr der Schuldner, wie ich schon so oft
geschrieb>en@, vergießest machet mich nebst den Verdruß und Schand, der ich
immer durch ein Loch aufzumachen, um das andre zuzustopfen um nicht arrestiret
zu werden, wovon mich bishero mein industrioser Kopf gerettet, ausgesezt bin
auf unterschiedliche Gedanken verfallen, die mich nicht wenig beunruhigen. Solte
wohl eine unverantwortliche Schwacheit, in die du vieleicht verfallen, an dieser
so gleichgiltig scheinender Ausserachtsezung schuldig seyn? Ich habe dir meine
Umstände genug beschrieb>en@, und wenn ich nicht immer um Geld schreibe,
bin ich darum der Gefahr nicht entgangen, sondern wenn eine vorbey, zeiget sich
eine neüe, und ich mag dich nicht immer plagen, weil ich dein Unvermögen auch
betrachte, und nur gar zu wohl einsehe. Verspreche mir aber nichts, und seze mir
keinen Termin von 14 Dägen, denn ich habe den Schuldnern auch termin gesezt
auf dein Wort, wodurch solche nur in Harnisch gebracht worden. Schreibe mir
lieber glatterdings du kanst od>er@ wilst mir nichts schicken, so will \ich/ sehen
wenigstens durchzugeh>en@, denn in arrest will ich hier nicht crepiren. Auf den
Milord mache keinen Staat, denn er und sein Anhang sind für den Henker noch
zu ehrlich \gut/. Den einzigen resource weis ich noch, daß ich dir vieleicht mit
nechster Post einen Aufsaz x> von einem memorial schicken werde, welches du
sehen must, daß es der Hof an hiesigen Gesandten recomandirt \ordert/, daß er es
dem Prinzen, od>er@ gar dem König übergebe \und recomandiren lasse/. Findest
du hierin dif¿cult>en@ od>er@ hast das Courage nicht, so mache das Creüz darüber.
Ich verlange >nur@>,@ >S. 2@ daß du es gleich thust, damit du dir das regal, od>er@
den Dienst nicht dardurch >ver@derbest, sondern du kanst dich vorläu¿g dar-
nach richten. Der jezige Impressario Crossa hat ihn auch durch den savoysch>en@
Gesandt>en@ zu paaren getrieben. Ein anders Ding machet mich auch zittern. Treibe
ich dich so an, daß du wieder hinter den Mingotti her must, so ist mir bekant, wie
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur