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110 für hieher zu schreiben. Reginelli hat keinen Sous von sein>em@ monathlich>en@
appointement erhalt>en@, und so würde es Uns auch gehen. Das Pro in Italien
kostet freilich viel, aber es erklecket kein Geld, so dorthin gehet, man muß
die selbe Rechnung mit der Zeit genau untersuch>en@. Trau schau wem. Die Uhr
solle eine schöne steinerne Ketten hab>en@. Dergleich>en@ habe ich in meinem
Leben >S. 3@ nicht geseh>en@, es solle vieleicht stählene heissen. Alles was du von
Comissionen schreibst besteht in einem einzig>en@ Wort, das heißt. LތArgent.
Aus meinen vorig>en@ Brieffen wirst du gehört hab>en@, in was für einem Stand
ich mich be¿nde, und die 15 lb sind mir so gekommen, wie einem, der eben im
Wasser untergeh>en@ will, und dem man im lezten Augenblick einen Stecken
reichet, damit ich aber in keinem Stück glücklich seye, so hat Signor Porta das
Geld an einen spizbubsch>en@ Juden addressiret, daß ich dessentweg>en@ 3 mahl
in die Stadt lauffen, und 7 Däge nach Einreichung des Brieffes wart>en@ müssen.
Du wirst aus meinen Rechnungen sehen, daß ich unglaublich hausgehalt>en@, und
get mehr gethan, als so zu sagen möglich Aber mit dem allen kanst du dir leicht
einfallen lassen, was ich haben anschaffen, in einen Kasten legen, und aus der
Comission Lista auslöschen können, wenn ich manch>en@ Abend nicht gewust,
was \und wo/ ich morg>en@ essen werde. Wegen den Kleidern habe noch nicht
frag>en@ könn>en@ was der Zeüg kosten wird. In summa ich werde alles so gut
bestellen als mir möglich, aber schreibe um Gottes will>en@, wohin, wenn, ich
alles dieses schicken, od>er@ ob ich es bringen solle? Wo, und wenn wollen wir
zusammen kommen? Je eher je lieber ist es mir, das Weis Gott. Der arme Jozzi
hat mir auch ein und anders gekostet, und ich bin recht glüklich daß ich den armen
Tropfen ein wenig beyspring>en@ können. Er ist ein recht grundaus guter Mensch,
und ich kenne und liebe ihn jezt mehr als jemahls. Er läst sich dir gehorsamst
empfehl>en@, und wartet mit grösten Schmerzen auf eine Antwort auf seine
2 Brieffe von hier. Ich habe keinen Plaz gehabt ihn hierin schreib>en@ zu lass>en@.
Wir leb>en@ zusammen, und lieb>en@ Uns wie 2 Kinder. Der Churfürst von Cöln ist
nacher Westphalien, und man weis nicht wenn er zurukkömt, vieleicht bekomst
du ihn in deiner Zurukreise, od>er@ wir alle zusammen ihn dort zu sehen. Vergies
auf Brüssel nicht, ehe ein ander vorkommt, die Giaccomazzi hat auch ihre Ge-
danken hin, und kommt mit Jozzi überein, daß dort was rechtes zu thun seye. Ich
habe vergessen oben zu schreib>en@, daß dahier anfrimmen, eben so gefärlich,
als Schulden mach>en@ seye, bis ich nicht von dir was verlässlichers habe, lasse
ich mich in nichts ein. Ich werde aber destweg>en@ mich gleichwohl nicht län-
ger aufhalt>en@ dörffen, denn hierzu ist keine so grosse Zeit nöthig. Ich bite dich
fange mir ein paar seidene Strumpfbänder für mich an, ich werde dir die Hände
und deinen schönen Hindern davor küssen. Was macht die Madame Pipina,
ich hoffe ja nicht, daß sie von jemand andern eine visite annemmen werde, ausser
etwa dann und wann von der Signora Caturigula, und schreibe mir den Datu>m@
wenn der Herr Margraf sich jederzeit ein¿nde, damit ich mich darnach zu
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur