Seite - 489 - in Die Operisti als kulturelles Netzwerk - Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
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der Briefe
in die Dienste nemmen wolle, ist wieder alles verschwunden? Von Scalabrini und
Brüssel ist noch keine Antwort eingelauffen. Der Lapis ist ein Lügner. Die Com-
pagnia Buffa gehet diesen Sommer nacher Bristol, wo die Frasi gesung>en@, der es
auch keinen Nuzen bringen wird. Er hat mir noch nicht geantwortet. Das beste ist
daß sein eigenhändiges Recipisse der Musiqs vorhanden. Die Prinzessin ist vor-
gestern an S>ankt@ Joseph Dag mit einer Prinzess glücklich entbund>en@ word>en@,
die Leüte haben hin und wieder FreüdenFeüer und illumination gemacht, welches
andrer orts Prinzessin>nen@ wegen nicht gewöhnlich. Die Giaccomazzi hat leztlich
an der Wof¿ngtons bene¿ce nach der Comœdi in Comungarden gesungen und
15 lb von ihr bekommen. Die erste Aria war unendlich applaudirt, die andre ge-
p¿ffen, und die 3te liessen sie ihr nicht aus>singen@. Sie macht sich nichts daraus,
und pr tendirt, daß die Frasi >ih@r solches thun lassen, und daß es lauter Welsche
gewest, und daß solches vielmehr ihrem Bene¿ce, welches sie im kleinen Theater
halt>en@ will, avantage bring>en@ solle. Die Reise des Reginelli nacher Tourin
und Wien wird wohl der Kemptorn halber gescheh>en@, die er in Lyon antreffen
wird. Gott begleite ihn dorthin, wenn es nur nicht nacher Stutgart, Brüssel
od>er@ Holand gehet, allein dieses sind wied>er@ andre Brieffe von ihm selbst,
die es con¿rmir>en@, daß er Tourin zu gehet. Gestern war ich wied>er@ beym
Milord Turlamore, wo ich mit Conte Saint Germain gespielet. Die Shadwel läst
sich dir empfehle>n@, sie hat wied>er@ gesungen. Die Frasi ist hier jezt en vogue,
und hat die Galli geschlag>en@ in Oratorien. Jezt komme ich auf liederliche
Zeitung>en@. Man zweiÀet daß hier \diese Saison/ mehr Buffa Opern seyn sollen,
denn der Crosa hat 200 lb empfang>en@, und hat den Milord einer neüen Opern
Prob halt>en@ >S. 3@ und hören lassen, und der Milord hat geglaubt, es seye alles
schon richtig, weil er ihm überdies verwichenen Samstag hat Opern gehalten.
Allein Crosa sagte, die neüe Opera seye zwar fertig und in Bereitschaft, allein
er müsse zuvor die übrig>en@ 400 lb /: 600 in allem mit den schon empfange-
nen 200 :/ auch hab>en@, sonst liesse er keine Opern zu. Hierauf gieng Vaneschi
zu Cavalier Osorio \der den Crosa/ spada dritta /: anderst als unsre deütsche
Gesandschaft>en@:/ protegirt, und sagte, Crosa seye ein Im>p@ostore und hätte nicht
mehr so viel zu fordern, allein der leztere bewiese daß Vaneschi ein Impostore,
und \Osorio/ beklagte sich hierauf beym Milord der Unverschämheit des Vaneschi
weg>en@, worauf Milord declarirte, daß er dieses ohne seinen Vorwissen
gethan, und Vaneschi solle destweg>en@ wirklich in die höchste Ungnad beym
Milord verÀalle verfall>en@ seyn. Du kanst dir einbilden, was für Hofnung ich
bey solchen Umständen wegen unsern Geld haben könne. Gott erbarme es, wie
werde ich von hier weg kommen. Die 15 lb habe ich zu Bezahlungen und andern
\Nothwendigkeit>en@/ verwendet, worüber du mit nechsten einen Conto erhalt>en@
sollest. Joli gehet nach Spanien mit treÀich>en@ conditionen, und es ist nicht wahr
daß der alte Tonin Zanetti gestorb>en@, er hat selbst an Joli geschrieben. Die Opera
Buffa kommt künftig>en@ Winter wied>er@ hieher. Ich küsse dich allenthalb>en@ zu
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Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur