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30 Brief Nr. 128
Franz Pirker aus London an Marianne Pirker in Kopenhagen,
11. April 1749
A Monsieur
Monsieur de Teibern Secretaire de Legation de Sa Majesté le Roj de Polonie à
Coppenhagen
No 52. 50 Vom 11t[en] Apr[ilis] [1]749.
London den 11t[en] April 1749.
Herzallerliebste Marianna
Gott gebe daß dich dieser Brief bey Zeiten antrift, obwohl ich darzu schlechte
Hofnung habe, wegen den contrair Wind, und ich bin so gar wegen meinen leztern,
den ich unter deiner eigenen Adresse vorigen Postdag am 8t[en] hui[us] geschrie-
ben, besorget, daß er nicht abgelauffen des Winds halber. Die meiste Ursach ist
warum ich dir schreibe, ist, daß mich der Jozzi fast verzweifeln machet. Es er-
eignen sich alle Unglücke von der Welt um sein armes Concert, wodurch er sich
ein wenig aufzuhelfen gedenket, zu unterdrücken. Die Burlingtonisch[en] sind
in das Baad, und die Violet glauben \wir/ hat ihm dorten eingehauen, wie sichs
gehöret, indem diese Hündin für den Reginelli a spada dratta portirt, und ich glaube,
er correspondiret mit ihr. Die Rich ist krank, [B]elgarde hat verreisen müssen,
andre sind für die Frasi und Galli por[tirt], in summa es scheinet so schlecht damit
aus, daß er entwed[er] aus Kumer und Schand in eine Krankheit verfallen wird,
und gar darauf gehet, od[er] wie er sagt er stürzt sich in die Themse, od[er] was
ich förchte begehet eine solche Bassesse, die ich dir noch nicht schreib[en]
will, die ihn ewig reüen, uns aber eine grosse Bedaurung und Traurigkeit bringen
wird. Nun kanst du dir vorstellen, was für angenehme Stunden ich jezt mit ihm
zubringe, da ich selbst in einem Meer voll Verdrüßligkeit[en] schwimme, und
wenn wir daran gedenken, daß ich ihn in diesen Stande verlassen muß, so thut
mir das Herz im Leibe weh, und er weinet wie ein Kind, od[er] raset wie ein
verzweiÀender Mensch. Vor allen bite ich dich von dies[em] im geringsten gegen
ihm nichts in deinen Brieffen merken zu lassen, wenn du aber so helfen kanst,
so hilf Uns um Gottes willen, aber durch einen solch[en] <x> Weg und Art, als
wenn es von Mingotti käme, der ihm ein Reisegeld schicket nacher Holand. Du
kanst ja selbst schreiben welsch, und als ob du Comission hättest das Geld in des
Mingotti Nahmen zu übermach[en], denn sonst nimmt ers nicht an, ich habe ihn
schon sondirt unsrer Familie wegen, und aus Scham. Rette den armen Tropfen, so
du kanst[.] [S. 2] Wenn er könte 50 lb St[e]rl[ing] haben, so sagt er könte er sich
aus allen Nöth[en] retten, und das ist alles was er von seinem Concert zu pro¿tiren
winschet wozu er aber fast gar keine Hofnung hat. Die Unkosten belaufen sich
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur