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30 Brief Nr. 136
Franz Pirker aus London an Marianne Pirker in Hamburg,
2. Mai 1749
A Madame
Madame Marianne Pirker à Hambourg. Chez Monsieur Rezzani.
No 57 \55./ Vom 2t[en] May [1]749
London den 2t[en] May 1749
Herzallerliebste Marianna
Dieses ist der 5te Brief nach Hamburg, den ich zwar nicht geschrieben hätte, weil
du ohnedem die andern 4 dort ¿nden wirst, und heüte nichts extra neües passiret,
nachdem ich aber eben dein werthestes von 22t[en] Aprilis erhalten, so habe
immediatè antwort[en] wollen, obwohl es mir sehr leyd thut, daß ich meine privat
Rechnung was ich die ganze Zeit her däglich ausgegeben, nicht in Stand gebracht
id e[st] in einen Brief zu schicken, weil ich nicht willens war heüte zu schreiben.
Dieses will ich nur melden, daß ich in meiner vorigen Rechnung der Friederich
und Stickerin ihre völlige Zahlung p[er] 10 Sch[illing] nicht beygesezet. Nun
komme ich auf deinen Brief, welcher mir vor Freüden ausser mich gesezt, wie
wohl ich anfänglich ganz perplex geword[en], daß du von einen Wechßel redest,
und ich im Brief keine WechßelZettl gefunden, die ich verlohren zu seyn ge-
dachte, allein nachdem ich den Brief und Pitschaft recht examiniret, und über-
lesen, funde ich das leztere unversehrt, und aus den Innhalt vermuthe ich, daß du
den WechßelZettl mit nechster Post schicken werdest. Du hast mir dardurch das
Leben 2 mahl gegeb[en], wegen meiner, und wegen des Jozzi, mache dir auch
hierüber keinen Kummer, denn es ist nichts verlohren, und es ist kein besserer
Zahler als er, und sein gröstes Lamentir[en] war einzig, daß er bishero einen
Galanthome der ihm in Paris 30 Louis dތor geliehen mit solcher Genereusitè und
noblement, wie ich aus dessen Brief selbst gesehen, diese Summa nicht restituiren
können, und destwegen hat er mir öfters zwar ganz dunkel zu gehöre geredet,
daß ihn alle seine Freünde in der grösten Noth stecken lassen, welches er niemahl
geglaubt hätte. Ich habe nichts geantwortet sondern immer gehoffet ihm mit
der That anderst überweisen zu können wessentwegen ich dir auch unendlich
verbunden, und dir selbst soll es nothwendig eine Herzensfreüde seyn, daß
du dieses [t]hun können. Schlägt sein Bene¿ce gut aus, welches anfängt sich
besser zu zeigen, deroweg[en] er es auch auf den 5t[en] May Engl[ischen] Stil[o]
verschob[en], und zahlt mich der Milord od[er] wenigsten etwas, so hast du
diese Summa unverlohren wieder gleich zuruck, und also hilft eines dem andern,
od[er] ich werde es mit Klugheit und sichern interesse zum Comissionen [S. 2]
anwenden, daß wir daß Gleich das Geld gleich wieder heraus bekommen. Wegen
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur