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70 der Nachlässigkeit mit dem Milord wirst du die Antwort schon in vorigen Brieffen
¿nden. Wenn ich dich nicht liebte, würde ich wegen der Dankbahrkeit nichts ge-
schrieben haben. Ich hoffe, daß wir künftig aus allen unsern Embarass in kurzen
komen sollen, nur noch ein wenig Geduld. Der Papa hat freilich übl gethan, daß
er die Ringe nicht ausgelöset, es war ein unnöthiger Scrupl, daß er solche nicht
wieder versezen wollen, denn er hätte ja gleichwohl die überschickte Summa und
mehr darüber herausgebracht. lezten Postdag ist die Scrittura und dein lezters von
18t[en] gekommen auf welches zwar nichts zu antwort[en], ich werde mein bestes
thun, und ich glaube es auch sicherlich, daß er mit den Scalab[rini] nicht gehet,
allein dein lezters, der Wechsel und eine Hofnung von einer andern Recita wird
die du ihm giebst wird al[les] ohnedem aufheb[en], sonst wäre er fast gezwung[en]
gewest es einzugehen[.] Er ist sehr beschäftigt ich auch weg[en] sein[em] Concert,
und diesen Abend spielt er beym Lord Sandwich, welches ein treÀiches Haus
für ihm, wenn er heim kommt wird er über deinen Brief ausser sich kommen. Ich
bin nur in Sorgen weg[en] den Brief, den du a part an ihn geschrieb[en], denn
es werden allen seine Brieffe Uns in das Haus gebracht, und wundert mich sehr
daß es mit dies[em] nicht gescheh[en]. An Àeissiger Nachfrage soll es nicht man-
geln. Was schreibst du von Schiavonetti? wo ist er in meiner Nähene[?] Habe
ich vieleicht nicht aller Welt nach Paris comission gegeb[en]? Kein Mensch
weis was von ihm. Habe ich nicht geschrieben, daß du bey der Signora Fabris
\in Coppenhagen/, die ich seine Schwester zu seyn halte, nachfragen sollest, aber
auch auf diesen puncten hast du mir niemahls geantwortet. Bekome ich dich
wied[er] zu sehen, wie soll es um deinen weissen Hinder[n] aussehen. Vom
Kirchhoff habe ich von den Wien weg[en] Borosini auch Nachricht bekommen,
Er giebt mir Hofnung, und ich treibe an so viel mir möglich. Gott helffe mir nur
weg[en] diesen punct[en] von hier weeg. Ich muß meine Sinnen recht anspannen,
ich habe mich wohl aus grössern Ding[en] heraus gewund[en]. Hier ist Monsieur
Fremery, der Uns [S. 3] recht verständig wegen Holand Bescheid gegeb[en], und
zwar nicht auf Schäze sondern auf was ergiebiges vertröstet, es ist auch wahr,
daß der Lapis für die hiesig[en] Buf¿ was tentiret, aber er hat nichts effectuiret,
wenn es also möglich so solle der Mingotti diese Reise unternehmen um Gottes
will[en], er darf jezt dem Jozzi nichts schick[en], wenn er nur selbst dahin gehet,
vieleicht ¿ndt er ihn dorten. Es wird gewis sein Schaden nicht seyn. Reginelli
solle verstekter dort seyn, er komt gewis wied[er] hieher, die Hündinen die
Kempthorn, und die Violett mach[en] all[es] dieses für ihm, gleichwie sie ihm
den Abbate Fabris recomandirt, von dir aber hab[en] sie dem Abbate nichts gesagt
wed[er] von Stutgart noch Prinz[en] von Wirttemberg, obschon alles dieses noch
bey deinem hierseyn abgedrosch[en] word[en]. Mache Unser Compl[iment] und
Excuse bey Monsieur Mingotti, denn wir hab[en] unmöglich des Concerts halber
schreib[en] können, Wenn es aber der Himmel zu läßt, so sehen wir Uns in Hol-
land id e[st] Signor Mingotti[,] Jozzi, und ich. Adieu ich küsse dich 1000mahl[en],
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur