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70 vieleicht ein Concert. Der deüÀ[ische] Reginelli würde ihm freilich in allen
hindern wo er kan, und so der Mingotti hingehet, so präge ihm wohl ein, daß er ja
nichts mit diesem Canaile zu thun habe, sonst wollen wir alle von nichts wissen,
auch daß er alles vor ihm so viel als möglich geheim zu halten suche, forderst aber
sich anstelle, als wenn er höchstens mit dir disgoustiret wäre, den Jozzi solle er
nicht als einmahl nennen, als ob er auf der Welt wäre. An Signor Mingotti unser
Compliment, wir hab[en] an ihn zu schreiben versparet, bis wir seine intention
wissen, da gehet es in einem, und ist desto wichtigere materie vorhanden, um ihm
nicht so umsonst mit leer[en] Complimenten das Postgeld ausgeb[en] zu machen.
Des Jozzi Bene¿ce od[er] vielmehr Concert wird gewis den 16t[en] May hier seyn.
Gott gebe Uns Glück darzu. Ach was wolte ich geben, wenn ich heüte den Brief
vom Postträger h[a]ben könte. Es ist aber kein anders Mittl, als daß ich morg[en]
nach d[er] General Post selbst gehe, denn heüte würde es zu spät, und ich wolt[e]
diesen Brief noch auf Hamb[urg] hazardiren. Mit heütiger Post ist wieder in
Zeittungen, daß der Churfürst von Cöln nacher Cassel komme, und daß sie dort[en]
grosse pr paratoria für ihn mach[en]. Es wäre recht unvergleichlich wenn du ihn
bey deiner Durchreise dort antreffest, erkundige ein wenig, dortige Zeittung[en]
sind neüer und gewisser, Monsieur Brockes wird es auch unfehlbahr wissen. Von
dort heißt es wolle er mit dem Prinzen von HessenCassel nacher Frankfurt gehen,
und dort mit den Churfürst[en] von Bayern und ihr, Churfürsten von Pfalz, und
Ihr, und Prinz Xavier von Sachßen zusammen kommen. Auch dieses könte vor Uns
gut seyn, denn wenn du nur ein[en] von diesen grossen Herrn hast, so recomandirt
einer dem andern. Sage Niemand hievon was als Signor Mingotti, sonst gehet
etwa die Dicke, od[er] sonst jemand hin. Nun ist gestern das so viel Million mahl
genennte Feüerkwerk [sic] vor, welches ganz Engeland fast närrisch gemacht,
und auf welches sie wie auf die Erlösung aus der [S. 3] Egiptisch[en] Gefangen-
schaft gewartet, bey erwinscht[em] Wetter vor sich gegangen. Du kanst dir die
curiositè daraus einbilden, das London zuvor wie Crema in der Fasten, zu Zeit des
Feüerwerks aber, gleichwie wenn dorten der Jahrmarkt und Opera gehalten wird,
zu vergleichen war, denn es sind Leüte 100 Meil[en] Wegs hergekommen, und
alle Wirts- und Publique Hauser wimlten von Gästen. Die Architectur, der Anblick
so vieler 1000 Personen, so vieler darzu errichteten Bühnen für die Zuseher, so
viele troupen waren alles herrliche Dinge. Das Feüerwerk in sich selbst hatte sehr
schöne Stücke, und Theile, allein die Execution antwortete nicht mit der Länge
der zugebrachten Zeit, und der \Erwartung der/ Dinge, die da komm[en] solten,
und den aufgewandten Unkösten mehr denn 10000 lb zeh[en] tausend Pund [sic]
St[e]rl[ing] weil es nicht in guter Ordnung noch Simetrie ausgeführet worden,
wozu noch das Unglück gekommen, daß ein Pavilon von dem sehr schön und
wohl gebauten Friedenstempl in Brand gerath[en], welches mehr denn eine Stunde
gebraucht um es zu lösch[en], daß \damit/ nicht das ganze <x> \Gebäude/ in Flam-
men gekommen, welches alles vollends in Verwirrung gebracht, daß kein rechtes
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur