Seite - 576 - in Die Operisti als kulturelles Netzwerk - Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
Bild der Seite - 576 -
Text der Seite - 576 -
576 Edition der Briefe
75
80
85
90
95
100
105 er will den 27t[en] hui[us] von hier wege gehen, nach Amsterdam an Herrn Roos
Mingotti /: wieder den ers greülich hat, und dem er in der ersten Hiz und Narrheit
einen deüÀisch[en] Brief würde geschrieben haben, auch an dich 2 zerissen, die
er fortschicken wollen, denn er ist halb rasend :/ \der/ siehet es vieleicht nicht
gern und ihr könt eüch leichtlich einbilden, daß er diese Conditiones nicht ein-
gehen könne, daß er nach Coppenh[agen] komme /: gleichwie ich innen zu werden
vermuthe, daß du ihn zum Reisgefährt[en] wenigstens so lang es der Weg zu läst
wirst auserlösen haben :/ schreibt er zwar heüte nicht und dissimulirt es, weil er
ihn nach Dreßden zu antwort[en] angewiesen, vieleicht lauffen von dir unter-
dessen vernünftigere Brieffe ein, und ich werde auch sehen, wie weit dich deine
passion[en] werd[en] mach[en] deinen Mann vergessen, wenn es wahrhaftig des
intere[ss]e geschähete, pacienza, allein dein lezteres Betragen hat eine grosse
masque von ab aufgedecket, Gott gebe, daß ich fehle, denn gewisse ¿gure[n]
mache ich nicht wenn du auch dardurch Königin, und ich König würde. basta.
Gedenke wenigstens in Stutgart für ihn was auszumachen, denn so kan er des
Mingotti project unmöglich annehmen. Du begreifst es selbsten wohl, destweg[en]
hast du auch nichts geschrieben. Du wirst mir vorwerffen, daß ich mehr seine, als
deine partie nemme, und zu deinen und unsren eigenen Schaden arbeite. Nein,
auf solche Art kan es ohnedem nicht angehen, und Jozzi und wir bekommen Uns
vieleicht gar nimermehr zu sehen, denn dein Verfahren machet ihn wied[er] in
der Welt hin und wied[er] reisen, er würde sich auch gar gerne in das Verhängnis
gegeben haben, wenn du ihm nur es recht vorgestellet hättest und die Unmöglich-
keit, allein durch dein Stillschweig[en] hast du ihn gar an deiner Freündschaft
zweifeln gemacht. Ich hoffe du wirst den Mingotti wegen der Costi und hier
nichts entdeck[en], wenn du es nicht sicher für gut halt[en] kanst, bis zu seiner
Zeit, da sie sich in Correspondenz einläßt daß man solches dem Mingotti wissen
läßt. Vom Hoffe schreibst du auch nichts, noch wegen der längern Zeit, noch ob
du destwegen dein honorario gebessert dessentweg[en] da du doch diese puncten
so unerträglich beym Scalabrini gefunden, und also nothwendig durch etwas
hätten eingebracht werd[en] sollen. Leztlich Jozzi sagt jezt 500 Duc[a]t[en]
erster Mann, und keine HofObligation. Ein gescheider Brief von dir könte vieles
remediren, wenn es dir Ernst. Adieu Ich winsche dir 1000 glückliche Reise und
Seg[en], aber nicht in der obgemeldt[en] Compagnie, und hoffe das bessere küsse
dich demnach 1000 mahl, als dein bis in tod getreüer Pirker[.]
VORLAGE: HStAS, Signatur A 202 Bü 2839, 1 Doppelblatt, 4 beschriebene Sei-
ten Beschädigung durch Siegelöffnung.
THEMENKOMMENTAR:
Der Brief beschäftigt sich mit den Vertragsverhandlungen, die Giuseppe Jozzi
zeitweise sowohl mit Paolo Scalabrini als auch mit Pietro Mingotti führte. Seine
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur