Seite - 621 - in Die Operisti als kulturelles Netzwerk - Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
Bild der Seite - 621 -
Text der Seite - 621 -
621Edition
der Briefe
35
40
45
50
55
60
65
70 sondern unter wem es immer von den grösten Sängerin[nen] seyn kan, gemacht,
wo? in Coppenhagen, und um 400 D[u]c[a]t[en]. Betrachte es nur selber. so bald
du ihm aber zugeschrieben hättest, so wären alle diese Zweifel gefallen, denn er
hätte dir alles heimgestellet, aber dieses konte er mit Mingotti nicht thun. Ihr habe
beede recht, und deine Ursachen sind so wichtig, ja mehr als seine. Allein was
ich gedenke ist, daß wir Gefahr laufen, den Jozzi auf allzeit zu verliehren. Sein
Glück entstehet öfters unverhoft im trübsten, und ich bin Zeüge, daß jeder andere,
nicht allein Reginelli, die Antragung[en] so ihm vom Spanien, und hier gemacht
word[en], annemmen würden ohne Bedenken, allein 2 Ursach[en] hab[en] ihn
abgehalt[en], nemlich Wir, und daß er gewisse 50 Duc[a]t[en] für 50 ungewisse
Guinée annemmen will, welches ihn sein ausgestandenes Unglück gelehret,
und gegenwärtig ist sein völliger Willen mit Uns zu leben und zu sterb[en], und
was sein, auch unser und entgegenseyn solle. Die Aloysia könte also nicht allein
7 od[er] 8 Monath verliehren, sondern alles, und du kanst dir nicht vorstellen
was für eine Solam et Virginem, er aus ihr machen könte: Jezt fangen sie ihn
erst an \hier/ kennen zu lehrnen, ungeachtet seiner Feinde, der Albertisch[en]
Solo pp und er nimmt däglich zu. Lasse dir also nicht gereüen was du bishero
vor ihm gethan. Schmiede das Eisen, weil es glühend. Du thust es deiner armen
Tochter zum besten. Stutgart, Coppenhagen, wo du kanst mache sein bestes,
denn er verlangt nicht anderst wo zu seyn, wo wir nicht gegenwärtig, und wenn
er könte nach Dreßden kommen, so will er nicht, ohne unser. Traue aber seinem
Glücke nicht, denn es scheinet unverhoft aus den trüben hervor. Ich werde nicht
unterlassen ihm deinen Brief nachdrücklich mit heütiger Post vorzustellen, und
ganz unpartheisch, wie \ich/ es hier thu, alle deine Beschwerungen vorzustell[en].
Schreibe aber unterdessen an Mingotti, und siehe wenn es möglich die 450
D[u]c[a]t[en] auszubring[en], vieleicht giebt er \Jozzi/ sich für 400, od[er]
vieleicht kommt die Costa hieher, wie ich dich besser unten berichten werde,
od[er] es gehet wenigsten in Stutgart an, und wenn du glaubst, daß die 2 Musici
von den du mir schreibest ihm vorkommen möchten, so schreibe ihm, daß er
gleich von Holland nach Stutgart kommt, ich werde ihms auch schreiben. Es ist
billig, er hat es um Uns verdienet, und in der that, er hat viele Versprechen hier
ausgeschlag[en], und gänzlich in dieser Meinung von hier abgereiset. Wäre ein
anderer [S. 3] Impressario als Mingotti, so hätte es gar kein Bedenken. Hier liegt
der Haas im Pfeffer. Du verstehestet mich, und kanst es derohalb[en] nicht übl
nemmen. Verliehre wenigsten Stutgart vor ihm nicht. Dieses ist die Antwort auf
deine erstere billige Emp¿ndliche Ausdrükung[en]. Hiemit antworte ich auf das
übrige, welches zwar das erste hätte seyn sollen, allein, ich folge der Ordnung
deines Brieffes. Ich erfreüe mich vom Herz[en] erstlich, daß deine Gesundheit
wieder hergestellet, welche mich nicht in wenige Sorgen gesezet, und daß du
bey Hofe dort[en], wie auch die Aloysia solchen incontro gehabt. Weil dein Brief
spät eingelauffen, und ich dem Jozzi auch von allen Nachricht geben müssen, so
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur