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Die Operisti als kulturelles Netzwerk - Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
Seite - 658 -
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658 Edition der Briefe 35 40 45 50 55 60 65 70 Schreibe mir wie es mit der Pronunciation [S. 2] in allen ihren Sprachen stehe, bevoraus im welschen, und französischen, ob Sie nicht teütscheln? Im teütschen aber, ob Sie nicht stark schwäbeln? Wie stehet es mit der Loysel ihren Zähnen, und Kröpfel? Ist sie nicht ausgewachßen? wie ich immer geforchten. Hat die Rosalia wegen den Bluten noch Anstos, und ist das andere richtig und monatlich? Was, und wie schlägt die Rosalia? Wie gehet es mit dem Zeichnen? Wie hat die Aloysia im Solmisiren pro¿tiret? Merkst du nichts, daß Sie etwa aus dem Halse, und falsch singt? Sind sie groß worden, und hat sich ihre Gestalt verbessert oder ver- schlimert? Mache mir wenigsten dieses Vergnügen, weil mein Schiksal doch will, daß ich Sie auf so lange Zeit oder vieleicht gar nicht mehr sehen soll Ich bin in Engeland vor den Jahren alt word[en], und wenn ich nicht eine RoßNatur hätte, wäre ich gewis darauf gegangen. Du kanst dir nicht vorstellen wie melancolisch, und betrübt ich bin, und in stetten Sorg[en], wie mein Vorhaben ausschlagen wird? Ich emp¿nde mich, wie sehr ich abgenommen, und daß mir alles gleich zuseze, das meine Complexion, nicht der Jahre wegen, das nicht mehr ertragen kan, was es zuvor gethan. Der arme Jozzi klagt ein gleiches, er hat auch nicht wenig aus- gestanden, und es nimmt noch kein Ende, wie der herumirrende Jud, du weist aber wohl warum? und wer ihm helfen kan? Er ist fast gestorb[en] auf der See. Er erbarmt mich wohl entsezlich, denn ich kenne sein innerstes, er denket ehrlich, wohl, und gescheid, welches recht viel von einen Mensch[en] seines gleichens, und in dies[en] Jahren. Das Alter wächßt freilich bey jeden Mensch[en], und man wird däglich schwächer, aber man erkennet wohl den Unterscheid, so von den Jahren, od[er] von überstandenen Drangsaalen herkommt, welche leztere die Complexion verderben. Glaube ja nicht, daß sowohl ich und er \nicht/ genau über- legt, bewundert, bemitleidet und bedauret, und mehr als zu wohl erkennet haben, was du bishero ausgestanden, wie hart du dich bemühet, wie glüklich, wohl und vernünftig du dich aus einem Meer von Verwirrungen heraus, und durch ge- wunden, und wievielerley unterschiedliche Angelegenheit[en] du in so kurzer Zeit verrichtet, und daß es nicht wenig, daß eine FrauensPerson ganz allein sowohl in der Profession /: welches vieleicht aus allen keine einzige so zu thun fähig :/ als andern Sachen [S. 3] sich so wohl zu helfen wisse, wie du gethan, ich schäze dich dessentwegen auch noch eins so hoch, und bin dir ewig davor verpÀichtet, bevoraus deine arme Kinder können für dich nicht genug Gott biten und dan- ken, welcher dir es auch 1000fach vergelten wird. Jozzi hat auch mit mir gleiche Gedanken, und wir verdienen wohl jedes Ruhe, und Vergnügen, nach so vielen ausgestandenen Wiederwärtigkeit[en]. Ich förchte mich schon in Vorhinein auf seine Brieffe, nachdem er des Mingotti Barcariol- und nicht HofRathmässiges Verfahren gegen ihn wird vernohmen haben. Leüte von solchen meriten, wie er, schicket man nicht gleich bey ersten Brief so völlig abgekapt veramente a farsi b: Indem er ihm sogar ausser Stande gesezt daß er ihm antwort[en], oder mit Ehren in ein oder andern Puncten nachgeben könne. Er licenzirt ihn auf einmahl, wie er mit
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Die Operisti als kulturelles Netzwerk Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
Titel
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Untertitel
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
Band
1 & 2
Herausgeber
Daniel Brandenburg
Verlag
Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7001-8898-8
Abmessungen
21.0 x 29.7 cm
Seiten
1048
Kategorie
Kunst und Kultur
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