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190 herzlieb[en] Elter küsse ich die Hände, und dich im Gedanken, habe mich lieb,
wie ich dich, vergesse des armen Jozzi nicht, ich liebe und schäze ihm hoch seiner
meriten /: und seines nicht \allein/ in der Musiqs :/ und seines gutten Herzens, und
ehrlicher Manier zu denken wegen, Adio lebe wohl ich bin dein bis in Tod getreüer
Pirker
[Nachschrift S. 3 oben:] Nun hoffe ich, daß der Peruzzi werde das Maul gestopfet
seyn. Die Violette solle halt gleichwohl mit dem Garrick verheürathet seyn. Er ist
nur zu gut für sie, denn er ist reich, und wird es noch mehr der Erbschaft und von
Comœdien werd[en], ein guter Edelmann, dem seine Freünde woll[en] 1000 lb
St[e]rl[ing] jährlich geb[en], wenn er nicht mehr agiret, und ein gutter, gescheider,
und gelehrter Kerl. Aber ihres Hochmuths wegen wunderts mich. Die Giacco-
mazzi läst sich empfehl[en], diese ist recht unglücklich hier gewest, sie läst sich
recomandir[en], wenn irgends eine Conjunctur für sie wäre.
[Nachschrift S. 2 oben:] In diesen Augenblick, da ich den Brief zupitschiren will,
erhalte ich deines von Ludwig[sburg] vom 6t[en] hui[us]. Es ist solches solle No 3
seyn, item 2 vom armen Jozzi. Er redet, daß er nicht lang mehr leb[en] wird,
er muß sagt \er/ wied[er] hieher sonst weis er nicht was er anfang[en] soll. Du
solst ihm zu gefall[en] über Cleve gehen, daß er dich zuvor noch einmahl zu
seh[en] bekomme. Er schickt mir die Copia von Mingotti, welche sehr höÀich und
ich ganz zufrieden damit. Jozzi will gern alles thun a vicenda, und alles was wir
stabilir[en]. Schreibe also um Gottes willen dem Mingotti, und ich se Jozzi, daß er
nach Stutgart kommt, denn er machet gleichwohl noch ein Concert im Haag und
wird also Geld hab[en]. Er ist ja auch fast ein Contralt, Montolieu wird auch das
seine beytrag[en], unterdessen bist du schon aufgenohmen, und thut dir kein[en]
Eintrag, kommt er nicht in Dienste, so bekomt er doch ein regal, daß ihm die
Unkösten nacher Hamb[urg] wieder gut macht. Er bitet mich um alles in der
Welt, ich solle bey dir alles wieder reparir[en], er hat es nicht so gemeint. Er will
quieto seyn, und erwart[en] was wir mit ihm thun werden, dތEgli heiset es, chތio
farò tante a vicende, che volle. Mingotti wird auf mein[en] und deine Brief ge-
wis thun was wir ihm proponir[en], es ist so arg nicht als ich geglaubt, schreibe.
schreibe. Die Reis nach Stutgart wird ihm über 20 Duc[a]t[en] nicht kost[en],
ich habe mich informirt[.] Ich winsche dir 1000 Glücke, und deine und der Kin-
der Progressen erfreüen mich inniglich. Mit nechster Post werde dir ausfürlich
antwort[en].
VORLAGE: HStAS, Signatur A 202 Bü 2839, 1 Doppelblatt, 4 beschriebene Sei-
ten Beschädigung durch eingerissenen Rand auf S. 3/4.
THEMENKOMMENTAR:
Franz beschäftigt sich in diesem Brief vor allem mit dem Ergebnis der Verhand-
lungen zwischen Giuseppe Jozzi und Pietro Mingotti , dessen Reaktion auf die
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur