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der Briefe
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90 Es ist eine Jalousie zwischen der Signora Maria und ihr wegen des Marchetti,
aber die Kemptorn dünckt mich will weit höher aus. Reginelli ist wie ein Narr über
Marseile, Genova, und turin nacher Wien, hat sein Geld fast alles mal apropos
vereiset, und dort trift er den Caffariello an sein[en] alt[en] gut[en] Freünd scilicet.
Die Violette glaube ich, habe diese mariage gemacht, um mit größerer Freyheit zu
seyn, und die Coquette mach[en] zu können. Heüte ware ich im Parlament, hart
an den König und Prinz von Walis, und habe alles gesehen. Es ist sehr schwer
hinein zu kommen, sogar Cavalieren. Die 2 Mohrisch[en] Prinzen war[en] neben
mir. Die Sache zwisch[en] Crosa und Potier ist gestern vorgenommen aber nicht
aus-gemacht word[en]. lezterer ist S[ta]llmeister beym Savoy[ischen] Gesandt[en],
sonst käme er in Arest. Pertic[ci] ist von ihm entlassen, und er und Vaneschi
sind mit ihren vorgehabten Impressariat auch ausgeschlossen, und Milord hat
diesesmahl keinen Part aber wohl will der neüe entrepreneur Doctor Ciarelli
ihn in all[em] um Rath frag[en]. Dieser glaubt man wird heüer das theater be-
zahl[en] müssen, und wird gar nichts mach[en], denn es dependirt alles, wo ob die
Francesina ihre Stimme wieder erhält? Von der Galli weis niemand wo sie seye.
Ich habe Jozzi wegen der Costi nichts geschrieb[en], damit er nicht gar verzweiÀe.
An die Herzliebsten Eltern mein Ergebnstes Compliment und HandKus, den lie-
ben Kindern schicke ich 1000fältigen Segen. Adieu ich recomandire dir nochmahl
bestmöglichst des Jozzis affaire liebe mich wie ich dich, ich bin dein bis in Tod
getreüer Pirker[.]
VORLAGE: HStAS, Signatur A 202 Bü 2839, 1 Doppelblatt, 4 beschriebene Sei-
ten Beschädigung durch Siegelöffnung und Riss auf S. 3/4.
THEMENKOMMENTAR:
Marianne äußert Vorbehalte gegenüber Giuseppe Jozzis und Franz Pirkers tak-
tierender Verhandlungsstrategie mit Pietro Mingotti . Ferner geht es erneut um
Mariannes Stuttgarter Salär, das sich ihrem Brief vom 19. Juni 1749 (168) zufolge
auf 1800 Dukaten belaufen soll. Diesen Brief hat Franz aber offenkundig noch
nicht erhalten.
Als Stallmeister des sardisch-savoyardischen Gesandten Osorio konnte sich
der Tänzer Charles Poitier dem Zugriff der Justiz entziehen. Der kurbayerische
Gesandte Joseph Xaver Graf Haslang soll aus dieser Art Protektion ein lukratives
Geschäft gemacht haben.
Vor Problemen mit der Stimme waren Gesangssolisten zu keiner Zeit gefeit.
Neben zahlreichen dokumentierten Fällen des 19. Jahrhunderts ist mit diesem Brief
und der Duparc auch ein Beispiel des 18. Jahrhunderts belegt.
EINZELSTELLENKOMMENTAR:
< > Mingotti:] Pietro Mingotti , Impresario.
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur