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30 Brief Nr. 180
Marianne Pirker aus Ludwigsburg an Franz Pirker in London,
28. Juni 1749
A Monsieur
Monsieur Pirker pres[entement] a Londres at The orange Coffè house in panton
Street
[Franz Pirker:] | Ludwigsburg. No. 7. vom 28t[en] Juny |
ludvigsburg d[en] 28t[en] Juny 1749.
Herzallerliebster pirker
gestern habe d[ein] schreib[en] von 10:t[en] erst erhalt[en] und kan mir nicht ein-
bild[en] wie es zugegang[en] daß es später als das von 13.t[en] angekommen. auf
dießes ist zwar nicht viel zu antworten, dann so wie eure Nachläßigkeit mit der
Ming[ottischen] Affaire immer aufmischen wolten, würden wir nimmer fertig
werden zu streiten es ist genug ich habe es schon von lübek geschrieb[en], er
solle sich in allen accordir[en], dann ich sahe schon wieviel es uhr ware, indeme
der Scal[abrini] alles concept verruckt hatte, mithin der Jozzi überÀüßig ware,
habe ich allßo nicht die geringste schuld. indeßen habe nicht gesaumet so oft ich
Brife von Jozzi erhalten, d[em] Ming[otti] zu schreiben, du must aber wißen daß
es schon 6: ordinary daß derselbe keinen Brief von mir bekomme[n], es kan nicht
anders seyn, als daß die verÀuchte familie chechini /: welche sich dermahlen
in Dresd[en] be¿nden, und eine[n] halben process weg[en] der Reiß wieder ihm
führen :/ ihm einige Briefe auffangen, dann es ware ihne[n] gar nicht recht daß
ich gekomm[en], dann sie sahen schon zuvor daß ihre prima donna schaft beym
Ming[otti] auß ware jedoch hoffe daß wenigsten eines oder das andere ihme
zugekommen seye, ingleich[en] das von Jozzi, und deines. Das wie oder Warum
will ich aber von Jozzi nicht mehr hören, dann ich bin seine gute freundin, allein
wer mich einmal und zweymal und dreymal betrügt, den kan ich in Materie amoris
absolute nicht mehr drauen, wenn ich alßo wüste daß du deine vorige Meynung
noch hättest, so würde ich vielmehr verhindern als helf[en] uns niemals wieder
zu sehen, ich kan für meine Kinder gesundheit und mühe sacri¿cir[en], aber nicht
reputation an leib und an der seelen. Du siehst auß dießer doppelten schrift, daß
ich den d[en] 30: Brif nicht auß schreib[en] können, da nun heute wieder 2: von dir
einlauffen so kan dir auf alle 3: antworten. D[en] Brief an die louisia werde heute
überschick[en]. weg[en] der Hembter ist es zwar sehr spät, alleine ich werde davor
besorgt seyn, ich habe schon zum vorauß etliche baar tazeln außgezackt geneht.
[S. 2] Hofe du wirst auch indeßen viele meiner Briefe bekommen haben, alleine
ich bin auß denen Numern gekommen, dann die Corespondenz mit d[em] Jozzi,
und Ming[otti] macht mich fast närrisch. nun warte ich mit gröst[em] verlang[en]
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur