Seite - 707 - in Die Operisti als kulturelles Netzwerk - Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
Bild der Seite - 707 -
Text der Seite - 707 -
707Edition
der Briefe
75
80
85
90
95
100 Die luisel hat weder Halß noch Naß[en] stimme sondern sehr stark, jedoch raue
allein es wird solche Herr Marchese schon rein mach[en] mit der Zeit, freylich
thut das starke applicir[en] ih[nen] schad[en], alleine ich kan dir beschreib[en]
wie in mein[en] Eltern besondere teutsche mißtrauische principia steck[en], ich
habe eb[en] gestern ein[en] entsezlich[en] Hendel weg[en] meiner uhr doß[en]
mit dem papa gehabt, weil[en] ich eines Mißtrau[en] bin beschuldigt word[en] in
dem ich solche zuzuricht[en] ein[en] ander zu laß[en], ein[en] andern gegeb[en]
pp kan ich alßo ihr[en] einmal angefangene[n] Gebrauch nicht einred[en], biß wir
einmal hier sind, müß[en] alßo alles geh[en] lass[en] ich weiß heute nicht wo mir
der Kopf stehet, weg[en] dießen Handel absonderl[ich] da die Kleine d[en] friesel
oder neßel sucht hat, mithin wird er bey seiner Heimkunft d[en] Zorn an der Mama
außgelass[en] hab[en] und durch ein[en] dergleich[en] schröck[en] kan das arme
Kind ums leben kommen, zumal[en] er die kleine arme närrin nicht leid[en] kan,
und solche schon einmal auf d[em] Bod[en] beym Hahren herum gezogen weil
sie in ein[em] clavier stück gefehlt und auß keiner andern ursache. Gott hilf mir
wieder zuruk, indeße[n] ist ihr ordinaire gleich außgeblieb[en], aber das Naße[n]
blut[en] hat sie noch oft. Der luisel Zähn sind noch nicht alle außgefall[en], sind
auch nicht gar gut dan sie stellt sich erbärmlich wann mann ihr ein[en] außreiß[en]
will, der Kropf kan nicht völlig vergeh[en] weil[en] sie sich noch immer so her-
vor henkt. sie sind nicht schöner noch weniger garstig word[en] aber sehr groß.
sie halt[en] sich sehr wohl im schlag[en] und zeignen, von welch[em] ich hofe dir
eine probe mit zu bring[en]. Du wilst so vile sach[en] von d[en] Kindern wiss[en]
allei[n] ich werde in all[em] die probe erst bey meiner abreise ableg[en] dan hier
war[en] sie nur 8 täg bey mir. lieber pirker um gottes will[en] lasse mich mit d[en]
Bändern nicht stek[en] sondern schicke oder bringe mir so vil als möglich nach
Hamburg dann ich muß der Herzogi[n] solche schick[en], kan ich dir mehr gelt
schik[en] so geschieht es, allei[n] wo nicht so muß ich wart[en] biß nach Ham-
burg komme, allei[n] ich hofe dich alldort[en] anzutref[en] oder bald zu sehen.
allenfalls mache daß dir Jozzi indeße[n] hilft. adieu liebe mich ich ersterbe getreu.
VORLAGE: HStAS, Signatur A 202 Bü 2840, 1 Doppelblatt, 4 beschriebene Sei-
ten Beschädigung durch Siegelöffnung, Wasserschaden (?) (vertikaler Streifen)
auf allen Seiten.
THEMENKOMMENTAR:
Mariannes irritierte Stellungnahme zu der „Mingottischen Affaire“ geht auf den
Umstand zurück, dass die Verhandlungen zwischen Giuseppe Jozzi und Pietro
Mingotti teilweise über Franz und auf dem langen postalischen Weg von und
zu den britischen Inseln geführt wurden. Zudem vermutet sie, dass Briefe durch
Einwirkung konkurrierender Kollegen nicht am Ziel angekommen sein könn-
ten, ein Verdacht, der in den Korrespondenzen mehrfach eine Rolle spielt. Die
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur