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70 od[er] wenigsten in der ersten Hize gar nichts od[er] sehr lau für ihn geschrie-
ben. Ich will aber das bessere hoffen, und von andern Angelegenheiten sprechen.
Weil du jezt gegenwärtig, und die Kinder anfangen grösser zu werd[en], so bite
den lieben Eltern mündlich zu vertrauen, was du in deiner Jugend für Anstösse
gehabt, von Meistern, und andern, auch was du in Graz und anderswo selbst für
dergleich[en] casus gehöret, und gesehen, daß sie also nicht zu leichtglaubig in
diesem Stücke seyn sollen, auch wenn sie in Geselschaft mit anderer Jugend
beederlei Geschlechts sind, um sie nicht leicht ausser Augen zu lassen. Man trauet
in Teütschland der Jugend zu viel, und die Noblesse ist nicht ausgenohmen, wie
du dich selbst unterschiedlicher Historien erinneren wirst, die unter NB wohl
erzogenen und Bigotten Freülen vorgegangen sind. Schreibe mir, wie der Aloysia
ihre Stimme? Wenn du mir die Kniebänder zu machen die Güte haben wilst, so
kanst du dir jezt von den Kindern helfen lassen, aber bite dich, lasse mir solche
ein wenig breiter [S. 3] und länger denn die leztere machen. Schreibe mir wo,
und bey wem sich und um wieviel des Borosini Pitschier Ring stehe? Ich werde,
sobald ich Geld empfange solches auslösen, auch sonst alle Comissiones
Àeissig tu verricht[en], die ich zu dem Ende alle aufnotirt, und alles pr parirt
habe, daß es also nicht viel Zeit brauchen wird mich dessentwegen hier aufzu-
halt[en] sobald der nervus rerum agendaru[m] da seyn wird. Ingleichen errinere
ich dich noch einmahl mir zu schreib[en], was für Opern ich dir geschicket,
und du mitgenohmen, daß ich nichts [zwei]mahl kauffe. Das Stabat Mater
von Pergolese, und Salve Regina von Hasse kan man hier auch jezt gedrukter
bekommen, dort muß man nichts davon sag[en], weil alles gedrukte den
Werth verliehret, und wir alles pretios machen müssen. Ich habe wieder dem
Solicitator des Borosini ha[l]ber geschrieben. Du solst auch nothwendiger
Weise dem Churfeld schre[iben]. Vorgestern hat es hier entsezlich gestürmet,
und wir fürchten uns grosse Unglücke aus der See zu hören: seitdem hat
sind 2 leidentliche Däge nach so grosser Kälte erfolget. Se il Jozzi venisse lí, vi
prego di ricordarli, e voi dei Parenti, e delle ¿glie, e della servitù. Gelehrt[en]
ist gut predigen, e a un \buon/ intenditore facile a parlare. Denen Herzliebsten
Eltern küsse ich die Hände, und den lieben Kind[ern] schicke ich tausendfälti-
gen Segen. NB Wenn er kommen solte, s[o] mache auch, daß er der Loisl ihrem
Meister höÀich begegne, denn er möchte ihn etwa sonst gar bas tractir[en].
Ich versichere er wird dir wie ein Kind gehorsam seyn. Adieu liebe mich so wie
ich dich, ich küsse 1000mahl im Gedanken und bin dein bis im Tod getreüer
Pirker[.]
An Monsieur Neusinger meine gehorsamste Empfehlung.
[Nachschrift S. 3 oben:] NB Ich habe dir schon neülich geschrieben, daß ich
mit dem Milord selber gesproch[en], daß er mir zimliche Hofnung gegeb[en],
und daß ich ihm nicht gar zu ungestüm zu fallen dem Vaneschi zu erinneren
Comission gegeb[en], nun ist sein stettes hin und her rutsch[en] mit dem Prinz[en]
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur