Seite - 726 - in Die Operisti als kulturelles Netzwerk - Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
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726 Edition der Briefe
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70 Augenblick empfange ich von der Charmanten Lady Betti einen Brief, Milord,
Miladj, Miss Mary, und das ganze Haus empfehlen sich dir. Wegen den Mustern
habe ich den lieben Papa a parte geschrieb[en], und sie beygeschlossen aus Vor-
sorge, falls du nicht mehr in Stutgart seyn soltest um keine Zeit zu verabsaumen.
Ich bin mit Monsieur Holl in der Stadt und Comungart[en] allenthalb[en] herum
gelauff[en], und haben nichts bessers von dieser Coleur auftreib[en] können. Ich
habe die B[än]der auch angefrimt, und werde wegen sicherer Correspondenz und
Comissionair schon gute Anstalten machen, auch alle andere \deine/ Comissiones
so bald und so gut mir möglich verricht[en]. Milord ist in der Stadt, und heüte
hätte ich eine Antwort erhalt[en] sollen, Vaneschi aber hat mir ein Billiet von
ihm gewiesen, wo er meldet, daß er mit ihm nicht sprechen könn[en], weil ihn
der Prinz hollen lassen, morgen aber solle es gewis geschehen. Ich lasse den Papa
um Verzeihen bit[en], daß ich nur einen Umschlag an ihn geschrieb[en], es ist
des kostbahr[en] Postgelds weg[en], welches ich zwar der Muster wegen a parte
gern ausgeleget. Ich hoffe du wirst das Decret vor deiner Abreise erhalten haben.
Du schreibst mir nichts wegen unsrer künftig[en] Correspondenz, und schreibe
mir unterwegs von allen Orth[en] ich bite dich recht sehr darum, solte ich ehender
als ich glaube expediret werd[en], so will ich schon Anstalt machen, daß mir die
Brieffe nachgeschicket werden. Die heütige Post ist angekommen, aber ohne
Brieffen [S. 3] weder von dir, noch von Jozzi, wohl aber von Mingotti mit der
erfreülichen Nachricht, daß alles glücklich accomodiret word[en]. Gott Lob,
es ist mir ein grosser Stein von Herzen, nun darf ich nur allein vor mich selber
sorg[en]. Es ist mir leid, daß d ich dich seinetwegen so plagen müssen, ich werde
mich dessentwegen schon selbsten bedanken. Ich habe ihm in meine[m] leztern
immer gerathen, daß er nach Stutgart solle, damit ihm keiner vorkomme, und das
Eisen geschmiedet werde, weil es warm ist, und weil du ihr mir beede schreibet,
daß ihr nur auf des Mingotti resolut[ion] wartet, welche Eüch beeden ehender
als mir natürlicher Weise muß zugekomm[en] seyn, so vermuthe ich er wird
ohnfehlbahr dorthin abgereiset seyn. Um das übrige lasse ich euch selbst sorgen.
Mache nur daß er die Loysl im schlagen wohl examinire, aufrichtig sage, was er
davon hält, ihren Meister wohl tractire und ihm seinen Modum sage wie er die
Loysl informir[en] solle. Es würde nicht übl gewest seyn, wenn Jozzi hinkommen
wäre, denn es möchte der Deüfel gleichwohl indessen jemand andern hin führen
ungeachtet des Herzogen sein Versprechen. Du kanst dich verlassen, daß ich ihm
wegen deiner Besoldung kein [W]ort gemeldet, noch melden werde. Wegen dieser
ist es recht besser ausge[sch]lagen als ich vermuthet habe, und winsche dir von
Herz[en] Glück darz[u] werde [a]uch nicht unterlassen Gott ein Dankopfer zu
erstatten. Wegen m[einer] bedanke mich, daß du meine Composition anrühmest,
ich will unterdessen nichts hievon meld[en], die that soll es vieleicht besser thun.
Vergesse meine Hemder nicht. Wegen den Gluck schreibst du nichts, ob er auch
wied[er] in Denne[mark] kommt. Gedenke die Violette hat mit dem Garick diese
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur