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60 hochmütiger Mensch wie der Lucifer, und würde den Pasqual[ino] so kleinmütig
machen, daß er zu nichts taugen, und alle an ihn, und die übrige neüe subjecta des
Orchesters vergeblich gemacht würden, und die malevoli just sich an ihn hängen
würden, daß es just /eben\ wie in Crema mit dem Ferari un perpetuo ondeggio
abgeben thäte. [S. 3] Saget dem Bianchini nebst meinem Compl[iment] von mir
daß kein Brief an ihn unerachtet meiner Àeißigen Nachfrage. Wer die Copiatur
über sich bekommen wird zu besorg[en], kan sich verlassen, daß ich ein[en]
halben Riß rastrirtes Papier mitbring[en] werde. Will also Signor Jozzi indessen
von seinen was herleih[en], so wird es ihm in ottima qualità wieder restituiret
werd[en]. Bernasconi hat mir von einem lateinisch[en] Mottetto zur Herzogin
GeburtsTag, und daß der text nur von Gott allein nach den Luther[ischen] ritu
seyn müste, erzehlet, sich aber mit der Unmöglichkeit wegen Mangel der Zeit
excusiret: wenn ich wüste daß es dem Monsieur Jozzi genehm, so wolte ichs
gleich beym Scarlati anfrimmen. Der Abbate Cavana treibet mich auch an, daß
ich wegen des Puppi mahnen solle, und wegen einer Antwort an Ecc[e]l[lenza]
Joanelli. We Ganz spät erhalte mit dem Einschlus an Monsieur Jozzi den fatalen
Brief von des Pasqual[ino] Brudern, daß er Krankheit halber nicht kommen
kan, daß ihn Jomelli /: den ich zu accompagniren seinetwegen auch versäumet :/
besuchet, und incapabl gefund[en] habe: Er schreibt mir aber anbey ich solle ihn
berichten, wie seine Brüder sich zu verhalten haben, wenn ich sie nicht erwarten
wolte? Ich werde mich bis Sonnabend bedenken können und will ihm den lezten
Vorschlag thun: er solle sich zum heil[igen] Antoni von Padova verlob[en], und
daß ich mit ihm über Padova gehen will, vieleicht persuadirt ihm dieses. An
meinen heftigen Zuschreib[en] hat es gewis nicht gefehlet, wie aus der Antwort
zu seh[en]. Wegen des Piantanida kan Serenissimus den Jomelli frag[en], und
weil ein Cima di uomo zu unsern orchester notwendig, könte er ihn nur zu dieser
Opera beruffen. Jomelli wird so reden, wie ihr ihn instruiret. Morg[en] bekomme
ich von Piantanida Antwort durch den Musico. Die Sach kan aber wegen Kürze
der Zeit nicht anderst als durch eine staffetta hereintractirt werd[en]. Adio dein
getreuer Pirker[.]
[Nachschrift S. 2 unten:] Übermorgen ein mehrers, ich versäumte die Post.
VORLAGE: HStAS, Signatur A 202 Bü 2839, 1 Doppelblatt, 4 beschriebene Sei-
ten Beschädigung durch Siegelöffnung.
THEMENKOMMENTAR:
Franz umreißt mit wenigen Hinweisen den aktuellen Stand seiner Bemühungen
zur VerpÀichtung von geeignetem Musikerpersonal. Die Übermittlung des Rei-
segelds an Niccolò Jommelli , die Überwindung der Verhandlungskrise um den
Geiger Pasquale Bini und das Engagement weiterer neuer Orchestermitglieder
stehen dabei im Mittelpunkt.
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur