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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
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Anerkennung als Opfer und Überwindung von Viktimisierungen:     111 Antworten auf gestellte Fragen von den Schauspieler*innen selbst gegeben bzw. geschlossene Fragen gestellt werden, auf die die Vertreter*innen der Keupstraße nur knapp antworten können, sowie im Kontrast zu den Videoaufnahmen, bei denen die Fragen, auf die sich die Gezeigten beziehen, implizit bleiben, entwi- ckelt sich hier ein echtes Gespräch zwischen den Schauspieler*innen und den Vertreter*innen der Keupstraße auf der Bühne. Zunächst stellt Annika mehrere offene Fragen, die sich auf Ayfers, Ismets und Kutlus Erfahrungen nach dem Anschlag beziehen:   ANNIKA Wie war die Stimmung nach dem Anschlag? Wie habt ihr euch gefühlt? Wie ist es euch ergan- gen? Was war auf der Straße los?   AYFER Das war nicht mehr die Keupstraße. Die Straße war zuerst sehr ruhig. Die Stimmung war angespannt. Viele wollten nicht mehr auf die Straße gehen, ich auch nicht. Wir hatten Angst. Das war wie im Kriegsgebiet. Keiner wollte sich der Straße mehr aussetzen. (Calis 2014a, 24) Auf Kutlus Ausführungen, die Polizei habe interreligiöse Konflikte zwischen Sun- niten, Schiiten und Aleviten statt eines rechtsradikalen Hintergrunds als Motiv für den Anschlag angenommen, schließt sich ein Gespräch über die Unterschiede dieser Gruppen an, das in einer Demonstration der unterschiedlichen Körperhal- tungen beim Gebet mündet. Der Nebentext hält an dieser Stelle fest: „ALLE VER- SUCHEN MIT ZU MACHEN [sic] UND VER HEDDERN SICH. ISMET/AYFER/KUTLU versuchen ANNIKA/SIMON/ THOMAS EINBLICK ZU VERSCHAFFEN“ (Calis 2014a, 26 [Typografie im Original]). Plötzlich eskaliert die zunächst spielerisch und har- monisch scheinende Situation, wenn Kutlu den drei Schauspieler*innen vor- wirft, die Situation nicht ernst zu nehmen und sich über seinen Glauben lustig zu machen. Schnell wird jedoch deutlich, dass sich seine Wut tatsächlich gegen die Gesellschaft und gegen das Vorgehen der Ermittlungsbehörden richtet: „HALLO! Was machen wir hier gerade?! Es war eine Nagelbombe! Eine Nagelbombe sieht die Opfer nicht. […] Warum wurde der Rechtsextremismus kategorisch ausge- schlossen?“ (Calis 2014a, 27). Der Kontakt zwischen beiden auf der Bühne dargestellten Gruppen führt also zunächst zur konfrontativen Auseinandersetzung. In der Folge wird allerdings gezeigt, dass ausgehend von der Situation des Konflikts zwischen Mitgliedern beider Gruppen der Kontakt intensiviert wird. Gemeinsam stellen sie Aushand- lungen über den Gerichtsprozess und Fragen nach daraus erwachsender Gerech- tigkeit an und setzen sich mit den Schwierigkeiten der bisherigen Aufarbeitung des NSU, beispielsweise in Untersuchungs aus schüssen, auseinander (Calis 2014a, 33–34, 35–39). Diese Darstellung eines echten Kontakts geht zunächst
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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Titel
Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Herausgeber
Eva Binder
Christof Diem
Miriam Finkelstein
Sieglinde Klettenhammer
Birgit Mertz-Baumgartner
Marijana Milošević
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-069346-1
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
350
Schlagwörter
Opfernarrative, zeitgenössische Literatur, transnationale Erinnerung, Transnationalität
Kategorie
Lehrbücher
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