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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
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„Er hat all die Jahre geschwiegen“    119 logische Herausforderung belegen, die die Auseinander setzung mit dem größten Unrecht in der Sowjetunion für überzeugte Kommunisten bedeutet haben muss. In dieser Hinsicht rechtfertigte Trude Richter, die ihre Memoiren als „eine persön- liche Rechenschaft über die Bewältigung meiner Vergangenheit“ (1990, 312) sah, die historische Notwendigkeit solcher Erinnerungen im DDR-Kontext mit folgen- den Worten, ausgesprochen im multilateralen Kolloquium Memoirenliteratur und Geschichtsbewußtsein (Berlin-Ost, 3.–5. Februar 1981): Heute ist es eine […] ABC-Weisheit, daß es bei der Bewältigung der riesigen Schwierigkei- ten garnicht [sic] ohne Irrtümer, Fehler, Versäumnisse, Ungerechtigkeiten und ähnliches abgehen kann. Es muß ausgesprochen werden, dargestellt, sonst entstünde eine rosige Schönfärberei, die nicht der Größe und der Kompliziertheit unserer historischen Umbruchs- periode gerecht werden könne […], jedoch nicht ohne Einbeziehung der riesigen positiven Errungenschaften. (zitiert nach Jung 2008, 134) Ziel dieses Beitrags ist es, am Beispiel der Lebenserinnerungen der Kommunis- ten Richter, Damerius und Ruge die konkreten Konturen eines Opfernarrativs zu beleuchten, das sich – obgleich in verschiedenem Ausmaß – in einer im Kern undifferenzierten, zwischen ‚Schönfärberei‘ und Wahrheitsgehalt schwanken- den Artikulationsart manifestiert. Der dementsprechend problematisch-kom- promittierende Zusammenprall von Verschweigen bzw. Verschleierung – des revolutionären Märtyrers oder des „Heldenopfer[s]“ (Assmann 2016, 146) – und Verbitterung bzw. Anklage – des Gulag-Überlebenden oder des „Leidensopfer[s]“ (Assmann 2016, 146) – soll dabei ermittelt werden. Nicht zuletzt soll dadurch belegt werden, „dass der Opferbegriff schillert und zwischen gegensätzlichen Haltungen wie Aktivität und Passivität, Stolz und Apathie, Sinngebung und Ver- zweiflung oszilliert“ (Assmann 2016, 146). Eine kurze biografische Notiz sei zur Erläuterung des jeweiligen bitteren Loses vorangestellt. 1 Leben und Überleben, Schweigen und Schreiben Trude Richter, 1. Sekretär des Bundes proletarisch-revolutionärer Schrift steller, Helmut Damerius, Leiter der Agit.-Prop.-Gruppe Kolonne Links, und Wolfgang Ruge, junger Pionier und Mitglied des Sozialistischen Schutzbundes und des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschlands, emigrierten jeweils Anfang Überarbeitung wurde der Text „gekürzt und einem kritischen Vergleich mit späteren Fassungen unterzogen“ (E. Ruge 2012, 455).
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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Titel
Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Herausgeber
Eva Binder
Christof Diem
Miriam Finkelstein
Sieglinde Klettenhammer
Birgit Mertz-Baumgartner
Marijana Milošević
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-069346-1
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
350
Schlagwörter
Opfernarrative, zeitgenössische Literatur, transnationale Erinnerung, Transnationalität
Kategorie
Lehrbücher
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