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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
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138    Ingeborg Jandl lungsmuster von Kriegsheimkehrern verstanden, welche teilweise vorbereitend für die Kampfhandlungen eingeübt wurden und teilweise angeborenen Schutz- mechanismen entsprechen, die durch die Extrem situation in verstärkter Form internalisiert wurden. Alle Texte enthalten Beispiele dafür, dass solche Reflexe unkontrollierbar auch nach dem Krieg fortbestehen. Sowohl aus der Eigen- als auch aus der Fremdperspektive werden sie als unangemessen und stigmatisie- rend erlebt. Eine Schädigung der Betroffenen durch den Kriegseinsatz ist dabei deutlich erkennbar; da die Kriegsreflexe jedoch aggressives Verhalten triggern, eignen sich diese nicht zur Konstruktion einer Opferrolle. Unter dem Überbegriff ‚Erinnerungskultur‘ werden Versuche der Konstruk- tion von öffentlichen Helden- und Opferdiskursen behandelt, denen die Primär- texte mit dem Anliegen nachspüren, sie einerseits zu erklären und sich ihnen andererseits implizit zu widersetzen, wodurch ihre kritische Position erkennbar wird. Das letzte Kapitel der vorliegenden Analyse widmet sich dem Umstand, dass die Texte ihrerseits Räume des Gedenkens schaffen, die den versehrten Kriegsteilnehmern gewidmet sind, diesen jedoch weder eine Opfer- noch eine Heldenrolle zuschreiben. 1 Dokumentarisches, autobiografisches und fiktionales Schreiben Das vorliegende Korpus ist heterogen, denn die gewählten Texte unter scheiden sich nicht nur hinsichtlich der nationalen bzw. kulturellen Kontexte ihres Ursprungs und jener des darin verarbeiteten Krieges, sondern auch hinsichtlich ihrer Gattung. Svetlana Aleksievič publizierte Cinkovye mal’čiki [Zinkjungen] erstmals 1991 als Buch; 1989 war bereits ein Artikel mit Auszügen daraus in der weißrussischen Literaturzeitschrift Litaratura i mastactva erschienen. Es handelt sich um eine dokumentarische Sammlung persönlicher Kriegsbe richte auf Basis von Interviews mit Soldaten aus dem Afghanistan-Krieg und deren Angehörigen. Die im weiß- russischen Fernsehen übertragene Auffüh rung einer dramatisierten Fassung und weitere Veröffentlichungen von Auszügen in der Zeitung Komsomol’skaja Pravda führten 1993 zu einem Gerichtsprozess; zwei ihrer Interviewpartner*innen – ein ehemaliger Soldat und die Mutter eines Gefallenen – hatten geklagt, da sie sich in ihrer Würde verletzt fühlten.1 Um Auszüge aus den Prozessakten und zahlreiche Pressemeldungen erweitert, erschien 2007 eine Neuauflage. 1  Das Gericht gab einem der Kläger*innen teilweise Recht, weshalb Aleksievič dazu verurteilt wurde, dessen Verfahrenskosten zu tragen.
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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Titel
Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Herausgeber
Eva Binder
Christof Diem
Miriam Finkelstein
Sieglinde Klettenhammer
Birgit Mertz-Baumgartner
Marijana Milošević
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-069346-1
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
350
Schlagwörter
Opfernarrative, zeitgenössische Literatur, transnationale Erinnerung, Transnationalität
Kategorie
Lehrbücher
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