Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Lehrbücher
Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Seite - 158 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 158 - in Opfernarrative in transnationalen Kontexten

Bild der Seite - 158 -

Bild der Seite - 158 - in Opfernarrative in transnationalen Kontexten

Text der Seite - 158 -

158    Ingeborg Jandl positionieren sich kritisch gegen diese Verfälschungspraktiken und entgegnen ihnen durch den Versuch, die tatsächlichen Umstände der entsprechenden Kriege zugänglich zu machen. Dennoch werden zugleich Versuche erkennbar, die Soldaten von ihrer Last zu befreien und sie beim Wiederfinden ihrer Identität zu unterstützen. Aleksievič leistet ihren diesbezüglichen Beitrag hauptsächlich durch das Anhören und Ordnen fremder Geschichten, Šehić befreit sich durch unzensiertes Erzählen von seiner eigenen Last und Gelasimov erfindet einen feinfühligen Kriegs heimkehrer, der das individuelle und kollektive Trauma durch sein Zeichnen auf künstlerisch-therapeutische Weise verarbeitet. 5 Gedenken, Trauer und Wiederfinden der Identität fernab von Opfer- und Täterdiskursen Neben Thematisierungen der öffentlichen Meinung und offizieller Gedenk- veranstaltungen sind alle drei Texte auch per se als Medien des Gedenkens zu verstehen. So integriert Aleksievič etwa persönliche Grabesinschriften in ihren Roman der Stimmen. Diese stammen von den Eltern und zeigen, wie unterschied- lich, wenngleich stets liebevoll, die Tode dieser jungen Männer von ihren engsten Angehörigen verarbeitet werden. Dabei wird der Kriegseinsatz meist als Erfül- lung einer ‚internationalistischen Pflicht‘ deklariert. Neben dem intim-familiären steht daher auch der heroische sowjetische Diskurs; durch die Thematisierung von Schutzlosigkeit und Unerfahrenheit der jung Verstorbenen erscheint Letzte- rer jedoch deutlich abgeschwächt. Das intim-familiäre Gedenken und die damit verbundene Integration persönlicher Gefühle wie Trauer, Erschütterung und Liebe eröffnen jeweils einen Blickwinkel, der sowohl Opfer- als auch Täterdis- kurse in den Hintergrund rückt, weil hier der Wert des Individuums unabhängig von seiner Funktion innerhalb staatlicher Kollektive reflektiert wird. ЛАДУТЬКО АЛЕКСАНДР ВИКТОРОВИЧ (1964–1984) Погиб при исполнении интернационального долга. Ты честно выполнил свой воинский долг. Себя уберечь, мой сыночек, не смог. На афганской земле ты погиб, как герой, чтоб мирное небо было над страной. Дорогому сыночку от мамы. (A, i)
zurück zum  Buch Opfernarrative in transnationalen Kontexten"
Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Titel
Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Herausgeber
Eva Binder
Christof Diem
Miriam Finkelstein
Sieglinde Klettenhammer
Birgit Mertz-Baumgartner
Marijana Milošević
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-069346-1
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
350
Schlagwörter
Opfernarrative, zeitgenössische Literatur, transnationale Erinnerung, Transnationalität
Kategorie
Lehrbücher
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Opfernarrative in transnationalen Kontexten