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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
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Weder Held noch Opfer    161 [Als ich geboren wurde (14.04.1970), wog ich 3.800 Gramm und war 42 cm groß. Ich bin ein April-Kind. Wie wir alle wissen, ist April der Monat der Toten. […] Es wird Zeit, dass ich in die Kindheit eintauche wie in das erfrischend kalte Grün der Una.] Das Eintauchen in Erinnerungen an die Kindheit, die Šehić mit dem Wasser des Flusses Una vergleicht, stellt ein belebendes Element inmitten der Lethargie dar. Zugleich hält der Autor fest, er habe kein Interesse an seiner Kindheit, denn diese gleiche verbrannten Fotografien, an die er sich ausschließlich in Form von Flash- backs erinnere (Š,  130). Diese Abwehrhaltung hat wohl mit dem Entstehungs- kontext von Pod pritiskom zu tun, das zu einer Zeit verfasst wurde, als die trau- matisierende Kriegserfahrung noch alles überschattete. Gerade die Kindheit am Fluss Una wird in späteren Texten sehr präsent und erweist sich als emotionaler Ruhepol mit therapeutischer Wirksamkeit. Sowohl in Gedichtbänden wie Moje rijeke (2014) als auch in dem 2015 erschienenen Prosaband Knjiga o Uni wird dies deutlich. Auch in einem Interview bestätigt Šehić die Bedeutung der Una für ihn und andere: Rijeka Una je prirodna pojava tvrđa od granita, jer je ništa ne može uništiti. U ratu smo je još više cijenili i voljeli, jer joj rat nije mogao ništa. Dolazili smo na kupanje u skrivene rukavce […]. Una je kult i magija. Ona, takva neranjiva, predstavlja metafizički dom. Njena boja i njen tok nisu bili ništa manje lijepi tokom rata. Ljudi su rizikovali život da bi išli na kupanje pod granatama i snajperima. (Raljević et al. 2017, 5) [Der Fluss Una ist eine Naturerscheinung härter als Granit, nichts kann ihn zerstören. Im Krieg haben wir ihn noch mehr geschätzt und geliebt, denn der Krieg konnte ihm nichts anhaben. Wir badeten in den versteckten Flussarmen […]. Die Una ist Kult und Magie. Auf- grund ihrer Unverwundbarkeit ist sie wie ein metaphysisches Haus. Ihre Farbe und ihr Lauf waren auch im Krieg um nichts weniger schön. Menschen riskierten ihr Leben, um unter Granaten und Heckenschützen schwimmen zu gehen.] Valentina Rossi geht ausführlich auf die starke Präsenz von Kindheit und Kindern in Žažda ein, während der Krieg unsichtbar bleibe (2012). Der Wiederaufbau von Identität wird in diesem Text ebenfalls über die Rekonstruktion einer Verbindung zur Kindheit ermöglicht. Die Kontinuität zwischen der Gegenwart und der Zeit vor dem Trauma wird über das Zeichnen hergestellt, das zum einen bereits damals identitätsstiftend war und bei der Bewältigung pubertärer Verunsicherung half und zum anderen auch die Beziehung zu dem unkonventionellen Schuldirektor als einer wichtigen Vertrauensperson markiert. An diese Beziehung ist zudem auch eine philosophische Sicht auf die Welt gekoppelt, die darauf beruht, genau auf Details zu achten und zugleich von Einzelheiten zu abstrahieren, um den Sinn des Lebens zu erkennen:
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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Titel
Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Herausgeber
Eva Binder
Christof Diem
Miriam Finkelstein
Sieglinde Klettenhammer
Birgit Mertz-Baumgartner
Marijana Milošević
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-069346-1
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
350
Schlagwörter
Opfernarrative, zeitgenössische Literatur, transnationale Erinnerung, Transnationalität
Kategorie
Lehrbücher
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