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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
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Opfertäter und Täteropfer als Figurationen des Dritten?    255 ist meistens alles andere als ein befriedigender Schutzraum. Die scheinbar frei gewählten Überlebensstrategien der Opfertäter Richard Hoffmann und Vilko Lamian sind charakteristische Mechanismen totalitärer Gesellschaften, wobei eine Differenz zwischen dem reinen Existieren bei Vilko und der Sicherung eines gehobenen Lebensstandards bei Richard ebenso zu bemerken ist, wie zwischen dem Bystander-Akt der Denunziation gegenüber dem Freund Manfred Weniger und der unmittelbar praktizierten Unterdrückung und Gewalt im Konzentrations- lager. Der ach so gewitzte Trickster ist insgesamt gesehen nicht nur ein Freiheits-, sondern auch ein Zwangsmodell, welches das Funktionieren dieser Ordnungen beschreibt, ihnen selbst eingeschrieben ist und sie auch aufrechterhält. Diktaturen funktionieren nämlich mitunter auch in ihren Grauzonen! Terti- äre Konstrukte wie der Kapo sind – angelehnt an die strukturale Anthropologie Lévi-Strauss’ und Turners – mythologische Figuren/Tropen, die, wie auch die Literatur selbst, der Beschreibung komplexer (oder auch existentieller) Wirk- lichkeitsprozesse dienen. Ähnliches gilt für die Erfassung der Zustände Francis- cos bei Antunes. Hier sind es Natur, Körper und Zeit, die sich als übertemporäre Gewalten und anthropologische Konstanten durchsetzen, den Täter zum Opfer werden lassen und den Status einstiger Macht überleben. Nicht so sehr der poli- tische Paradigmenwechsel lässt den einstigen Machtmenschen Francisco zum Opfer werden, sondern viel elementarere Faktoren, wodurch das Täteropfer- und Opfertäter-Drama bei Antunes sich zu einem allgemeinen Menschendrama ent- wickelt und die ausklingende Salazar-Diktatur zur Veranschaulichung nutzt. Francisco ist auch keine liminale Figur mehr. Er ist eine finale Figur, die am Ende einer historischen und persönlichen Entwicklung steht und den Opferstatus eines Täters aufzeigen kann, wenn er von seiner eigenen Zeit und von seinem eigenen Alter überrollt wird.
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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Titel
Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Herausgeber
Eva Binder
Christof Diem
Miriam Finkelstein
Sieglinde Klettenhammer
Birgit Mertz-Baumgartner
Marijana Milošević
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-069346-1
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
350
Schlagwörter
Opfernarrative, zeitgenössische Literatur, transnationale Erinnerung, Transnationalität
Kategorie
Lehrbücher
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