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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
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262    Maria Roca Lizarazu Im Folgenden sollen deshalb Figuren des Nachbarn und Figurationen von Nachbarschaft im Text in Bezug auf folgende zentrale Problemstellungen unter- sucht werden: TĂ€terschaft und Komplizenschaft: Es soll zum einen gezeigt werden, wie die Figur des Nachbarn die Trennlinie von „wir“ und „anderen“ (VE, 105) destabili- siert und damit sowohl den Opfer- als auch den TĂ€terstatus ‚verunklart‘, nicht zuletzt, indem das im osteuropĂ€ischen Raum nach wie vor tabuisierte Thema der Kollaboration und Komplizenschaft aufgerufen wird. Erinnerung und Zeugenschaft: Indem Vielleicht Esther die BinĂ€r opposition ‚TĂ€ter*innen‘/‚Opfer‘ mit einem verflochtenen oder „implicated“ (Rothberg 2013) Ansatz kontrastiert, ergeben sich neuartige Probleme fĂŒr das Erinnern der Ver- brechen des Zweiten Weltkriegs und des Holocausts. Wie lĂ€sst sich die nach wie vor bestehende kulturelle, mnemonische und rĂ€umliche Verflechtung zwi- schen jĂŒdischem und nicht-jĂŒdischem Leben und Sterben erzĂ€hlen und können Kompliz*innen, MitlĂ€ufer*innen, Nachbar*in nen und Passant*innen Zeugnis ablegen? KontiguitĂ€t und Communitas: Schlussendlich will dieser Beitrag auch auf die möglichen positiven Konnotationen von Nachbarschaft im Text eingehen; neben Nachbar*innen, die helfen und retten, verhandelt Vielleicht Esther ĂŒber das Thema Nachbarschaft – verstanden im Sinne von KontiguitĂ€t, also des rĂ€umlichen Neben- einanders – Formen der (Erinnerungs-)Gemeinschaft, die auf Kontingenz, FlĂŒchtig- keit und den fĂŒr den Text wichtigen Metaphern der Verwobenheit oder Überkreu- zung beruhen und damit die essentialisierende Logik des familiĂ€r und ethnisch zentrierten GedĂ€chtnisses im Text auf produktive Weise in Frage stellen. 2 Opfer, TĂ€ter*innen und alles, was dazwischen liegt Gedanken zum Thema Nachbarschaft durchziehen Petrowskajas gesamten Text, werden jedoch explizit in den Kapiteln zum Polenbesuch der ErzĂ€hlerin und zu ihrer Begegnung mit der ukrainischen Schlucht Babij Jar verhandelt. Beide LĂ€nder, Polen und die Ukraine, sind geprĂ€gt durch eine lange Geschichte des Antisemitismus und, damit verbunden, nach wie vor anhaltende gedĂ€chtnispo- litische Debatten ĂŒber das Ausmaß der Kollaboration wĂ€hrend des Zweiten Welt- kriegs und des Holocausts; das spannungsreiche Zusammenleben von JĂŒd*innen und Nicht-JĂŒd*innen ist also zentral fĂŒr beide Nationen, ebenso wie anhaltende Konflikte um eine angemessene Erinnerung an Opfer und (Mit-)TĂ€ter*innen des Zweiten Weltkriegs und des Holocaust. FĂŒr die ErzĂ€hlerin jedoch scheint sich
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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Titel
Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Herausgeber
Eva Binder
Christof Diem
Miriam Finkelstein
Sieglinde Klettenhammer
Birgit Mertz-Baumgartner
Marijana Miloơević
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-069346-1
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
350
Schlagwörter
Opfernarrative, zeitgenössische Literatur, transnationale Erinnerung, TransnationalitÀt
Kategorie
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