Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Lehrbücher
Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Seite - 289 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 289 - in Opfernarrative in transnationalen Kontexten

Bild der Seite - 289 -

Bild der Seite - 289 - in Opfernarrative in transnationalen Kontexten

Text der Seite - 289 -

Das Leiden der Anderen?    289 Der auf der Suche nach dem Vater vorrangig zuhörende Vladan findet, zurück in Slowenien, auch ein zuhörendes Gegenüber – seine Freundin Nadja: „To noč sem premagal molk, […]. Nadja pa me je le poslušala“ (Vojnović 2013a, 163) [„In dieser Nacht besiegte ich das Schweigen, […]. Nadja hörte mir nur zu“ (Vojnović 2016, 144–145)]. Nadjas Präsenz wird zu einem entscheidenden, die Handlung motivierenden Moment: Vater und Sohn sollen einander schließlich in Wien treffen, Vladan jedoch ist unmittelbar vor dem Wiedersehen mit seinem Vater Panikattacken ausgesetzt. Durch Nadjas bedingungsloses Da-Sein und Zuhören kann sich der Protagonist überhaupt erst zum Treffen mit seinem Vater aufraf- fen. Die Inszenierung dieser zwischenmenschlichen Konstellation von Erzähler- und Zuhörerschaft in Verbindung mit der Verbalisierung eines Traumas wird im Roman jedoch in all der ihr inhärenten Problematik gezeigt. Die von Vojnović konzipierte Figur der Zuhörerin ist eben keine distanzierte Therapeutin, sondern mit dem Protagonisten liiert, von dem sie sich am Ende trennen wird. Von dieser Erzähler-Zuhörerin-Konstellation nun sind die Binnen erzählungen zu unterscheiden, denen der Ich-Erzähler während der Reisestationen nun sei- nerseits zuhört. Diese sollen im Hinblick auf das Opfernarrativ einer genaueren Analyse unterzogen werden. 4 Multiperspektivische Darstellung des Opfernarrativs In einem Interview für die kroatische Zeitung Jutarnji list äußerte Vojnović: „Prok- letstvo ratova naših djedova i očeva uvijek nas prati“ (Vojnović 2013b) [Der Fluch der Kriege unserer Großväter und Väter verfolgt uns immer]. Der Autor kommen- tiert hier die oben bereits skizzierte Problematik der inoffiziellen transgeneratio- nalen Weitergabe jeweils eigener Leidens geschichten aus dem Zweiten Weltkrieg im sozialistischen Jugoslawien und ihre Auswirkungen bis in die dritte Genera- tion. Wie äußert sich dieses Opfernarrativ nun im Roman? Vladans erste Station ist Brčko in Bosnien, der letzte seiner Mutter bekannte Aufenthaltsort des Vaters, der zu diesem Zeitpunkt bereits untergetaucht war. Dessen damalige Nachbarin lernte ihn unter dem falschen kroatischen Namen Tomislav Zdravković kennen.20 Die Nachbarin erzählt Vladan also des Vaters umerzählte und kroatisierte Geschichte: „Rad je govoril o vseh vas, ampak o tebi 20  Anspielung auf den jugoslawischen Sänger Toma Zdravković, für den der Vater geschwärmt hatte.
zurück zum  Buch Opfernarrative in transnationalen Kontexten"
Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Titel
Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Herausgeber
Eva Binder
Christof Diem
Miriam Finkelstein
Sieglinde Klettenhammer
Birgit Mertz-Baumgartner
Marijana Milošević
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-069346-1
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
350
Schlagwörter
Opfernarrative, zeitgenössische Literatur, transnationale Erinnerung, Transnationalität
Kategorie
Lehrbücher
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Opfernarrative in transnationalen Kontexten