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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
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292    Eva Kowollik „[…] Veš, on nikoga razen tebe in Duše ni imel. Ko so mu vzeli vaju, se mu je zrušil cel svet.“ Nisem vedel, kdo mu naju je vzel, in sumil sem, da je to še ena v nizu zarot proti Srbom in Srbiji […]. (Vojnović 2013a, 126) „[…] Weißt du, er hatte ja außer dir und Duša niemanden. Als man ihm euch genommen hat, ist seine ganze Welt zusammengebrochen.“ Ich wusste nicht, wer ihm uns beide genommen hatte, und ich vermutete, dass das noch eine in einer Reihe von Verschwörungen gegen die Serben und gegen Serbien war. (Vojnović 2016, 112–113) Vladan sieht sich selbst also erneut, ohne eigenes Zutun, ins Zentrum eines Opfernarrativs versetzt. Was aber hat es nun mit der Geschichte seines Großvaters Milutin auf sich? Milutins Familie lebte in der Herzegowina und wurde im Zweiten Weltkrieg von der kroatischen Ustaša ermordet. Danilos Erzählung darüber fasst Vladan folgendermaßen zusammen: Resnico o družini Borojević iz vasi Žilice v okolici Tomislavgrada, ki so jo nekega jutra leta 1942 požgali ustaši […]. Zaklana in ustreljena trupla […] so zmetali na nekaj metrov visok mrtvaški kup pred njihovima gorečima hišama, nato pa so dolgo opazovali prizor in uživali v vonju srbskega pepela. Vsaj tako je Danilo povzel pripoved svoje matere, […]. (Vojnović 2013a, 122) die Wahrheit über die Familie Borojević aus dem Dorf Žilice in der Nähe von Tomislavgrad […], das eines Morgens des Jahres 1942 von der Ustascha […] niedergebrannt wurde. Die abgeschlachteten und erschossenen Körper […] warfen sie auf einen mehrere Meter hohen Leichenhaufen vor ihren brennenden Häusern, und dann weideten sie sich an dem Anblick und genossen den Geruch der serbischen Asche. So jedenfalls hatte Danilo die Erzählung seiner Mutter zusammengefasst, […]. (Vojnović 2016, 110) Welche Folgen hat nun das Anhören von Geschichten über Opfer in der eigenen (Täter-)Familie für den Erzähler? 5 Die Involviertheit des Zuhörers: Effekte des Opfernarrativs Im Text klingt durchaus an, dass die Erzählungen von Emir und Danilo den Pro- tagonisten beeinflussen, allerdings zeigt der ironische Stil, dass Vladan sich dieser Effekte durchaus bewusst wird: „Emirjeve besede so mi namreč zvenele skrivnostno in njegova prijetno leseno dišeča topla soba je ustvarjala vtis ovalne pisarne nekakšne skrivne bratovščine upokojenih oficirjev“ (Vojnović 2013a, 87–88) [„Emirs Worte hatten etwas Konspiratives, und sein warmes Zimmer mit dem angenehmen Holzduft wirkte auf mich wie das Oval Office einer ehemali-
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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Titel
Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Herausgeber
Eva Binder
Christof Diem
Miriam Finkelstein
Sieglinde Klettenhammer
Birgit Mertz-Baumgartner
Marijana Milošević
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-069346-1
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
350
Schlagwörter
Opfernarrative, zeitgenössische Literatur, transnationale Erinnerung, Transnationalität
Kategorie
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