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300â â Ioannis Pangalos
nicht âan sichâ (also inhaltlich und formal) durch einen Schematismus von Links
und Rechts gekennzeichnet, wie angenommen werden könnte; vielmehr ist eine
solche Etikettierung â so mein Hauptargument â eher der politischen und gesell-
schaftlichen Spaltung geschuldet. Ich prÀsentiere also einige dieser Romane
nicht ohne ihre Rezeptionssituation in Betracht zu ziehen. Die Untersuchung der
zeitgenössischen Werke im dritten Teil, die sich der eindeutigen Zuordnung zu
einer vorgegebenen Erinnerungsgemeinschaft entziehen1 â konkret handelt es
sich um Soldados de Salamina, El lĂĄpiz del carpintero, Porphyra Gelia und I Sym-
phonia ton Oneiron â könnte in diesem Zusammenhang auch als Folie dienen,
um âĂ€ltereâ Werke anders zu lesen und neu zu kontextualisieren. Die Forschung
wÀre beispielsweise imstande, Texte der Nachkriegszeit, die bis jetzt hinter dem
antagonistischen Rezeptionsmodus verborgen waren, als âkulturelle Texteâ
(Erll 2005a, 153â164) im Sinne Erlls zu lesen und somit ihre genuin literarischen
Eigenschaften zu wĂŒrdigen. Im dritten Abschnitt, nach einer kurzen Zusammen-
fassung der relevanten erinnerungsdiskursiven VerÀnde
rungen der 1990er Jahre,
werden die wichtigsten Besonderheiten der Literatur um das Millennium (sowie
auch neuerer Werke), die aus dieser Wende resultieren, kategorisiert und anhand
konkreter Beispiele veranschaulicht.
FĂŒr meine Fragestellung â Teil einer umfassenderen, in Arbeit befindlichen
Monografie â untersuche ich je zwei spanische und griechische Romane, die
auf besonders prĂ€gnante Weise das neue âmetamnemonialeâ Bewusstsein zum
Ausdruck bringen. Ihr Ausgangspunkt liegt in einer fiktionalen Gegenwart, die
mit der Zeit der Niederschrift der Romane weitgehend deckungsgleich ist.2 Der
BĂŒrgerkrieg wird in allen diesen Texten bewusst als Gegenstand des GedĂ€cht-
nisses verhandelt. Ferner handelt es sich um Romane renommierter Autoren, die
umfassend rezipiert wurden. Da die zeitgenössische spanische BĂŒrgerkriegslite-
ratur viel intensiver als die griechische akademisch erforscht wurde, richtet sich
das Augenmerk dieser Studie mehr auf die letztere. Die von mir eingenommene
komparatistische Perspektive wird auch von den die jeweiligen Nationalliteratu-
ren betreffenden Befunden der Forschung und Literaturkritik bestÀrkt. Daniela
Bister z.B. grundiert ihre Studie auf folgender Annahme:
1â Es sollte nachdrĂŒcklich darauf hingewiesen werden, dass die in der vorliegenden Studie
konstatierte Tendenz nur einen Teil der gegenwÀrtigen themenrelevanten Literatur betrifft. Es
gibt heute sehr wohl auch Werke, in denen das âalteâ Paradigma der Spaltung vorherrschend ist
(Raftopoulos 2012, 16). Ein interessantes Desideratum der weiterfĂŒhrenden Forschung wĂ€re zu
ergrĂŒnden, welcher dieser Richtungen quantitativ die Hauptrolle gehört.
2â Die Symphonie der TrĂ€ume bleibt aber davon ausgenommen, da die Handlung Anfang der
1990er Jahre verortet wird â eine Zeit, die jedoch als Beginn der neuen, bis heute andauernden
Epoche aufgefasst wird.
Opfernarrative in transnationalen Kontexten
- Titel
- Opfernarrative in transnationalen Kontexten
- Herausgeber
- Eva Binder
- Christof Diem
- Miriam Finkelstein
- Sieglinde Klettenhammer
- Birgit Mertz-Baumgartner
- Marijana MiloĆĄeviÄ
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-069346-1
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 350
- Schlagwörter
- Opfernarrative, zeitgenössische Literatur, transnationale Erinnerung, TransnationalitÀt
- Kategorie
- LehrbĂŒcher