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Die Überwindung traditioneller Opfernarrative
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Las novelas publicadas durante los últimos quince años en lengua castellana, catalana y
vasca se diferencian de las novelas anteriores en cuanto a su funcción y su poética. En el
mismo momento que se pone en duda el pacto de silencio en literatura, se aprecia una
diferenciación destacable respecto a las narrativas de víctima. En el ámbito literario, no hay
atribuciones de roles unidimensionales, es decir, de víctimas y victimarios, lo que muestra
que la literatura tematiza más en detalle y de manera más diferenciada la problematica de
las identidades de víctima. En los textos literarios se presentan personas cuyos papeles e
identidades no son claros: ¿Son víctimas? ¿Son victimarios? ¿Son a la vez víctima y victi-
mario? (Bister 2014, 17)
[Die in den letzten fünfzehn Jahren publizierten Romane in spanischer, katalanischer und
baskischer Sprache unterscheiden sich von den ihnen vorausgegangenen Romanen bezüg-
lich ihrer Funktion und ihrer Poetik. Gleichzeitig mit der Infragestellung des Schweigepakts
in der Literatur, ist auch eine markante Veränderung der Opfernarrative zu verzeichnen. Im
Literaturraum gibt es keine eindimensionalen Rollenzuschreibungen, d.h. Opfer vs. Täter,
eine Tatsache die als Beweis gilt, dass die Literatur detaillierter und differenzierter die Pro-
blematik der Opferidentitäten thematisiert. In den literarischen Texten werden Personen
präsentiert, deren Rollen und Identitäten nicht klar sind: Sind sie Opfer? Sind sie Täter?
Sind sie gleichzeitig Opfer und Täter?]3
Während der anerkannte griechische Literaturkritiker Vangelis Chatzi
vasi
leiou
konstatiert:
Οι νεότεροι μυθιστοριογράφοι άρχισαν να επιστρέφουν στον Εμφύλιο όχι για να υπερασπι-
στούν την πολιτική αλήθεια της μιας ή της άλλης πλευράς, όπως το έκαναν πολλά λογο-
τεχνικά έργα πριν και μετά τη δικτατορία, αλλά, αντίθετα, για να ψάξουν τα τραύματα
του δικού τους καιρού, μετατρέποντας την Ιστορία σε ένα καυτό σχόλιο του παρόντος.
(Chatzivasileiou 2011)
[Die neueren Romanciers kehren erneut zum Bürgerkrieg zurück, nicht um die politi-
sche Wahrheit der einen oder anderen Seite zu verteidigen, wie es bei vielen literarischen
Werken vor und nach der Diktatur der Fall war, sondern im Gegenteil, um die Traumata
ihrer eigenen Zeit zu erforschen. Auf diese Weise transformieren sie die Geschichte in einen
brandaktuellen Kommentar über die Gegenwart.]
In Chatzivasileious Urteil – das auch ausdrücklich die im dritten Teil analysier-
ten griechischen Romane umfasst – wird zwar nicht die Opfer thematik, sondern
nur allgemein der Paradigmenwechsel angesprochen, es wird sich jedoch zeigen,
dass „die politische Wahrheit der einen oder anderen Seite“ eng mit den Opfer-
narrativen verknüpft ist.
3 Sofern nicht anders vermerkt, stammen die Übersetzungen vom Verfasser – I. P.
Opfernarrative in transnationalen Kontexten
- Titel
- Opfernarrative in transnationalen Kontexten
- Herausgeber
- Eva Binder
- Christof Diem
- Miriam Finkelstein
- Sieglinde Klettenhammer
- Birgit Mertz-Baumgartner
- Marijana Milošević
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-069346-1
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 350
- Schlagwörter
- Opfernarrative, zeitgenössische Literatur, transnationale Erinnerung, Transnationalität
- Kategorie
- Lehrbücher