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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
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Die Überwindung traditioneller Opfernarrative    305 schen Bewegung (PASOK), die den nationalen Widerstand (gegen die national- sozialistische Besatzung) anerkennt und den ehemaligen Kämpfer*innen auch Renten zusichert. Das diesbezüglich verabschiedete Gesetz unterscheidet nicht zwischen der Parteizugehörigkeit der Widerständischen, wird jedoch als Sieg der Linken gedeutet – da es ja diejenigen waren, die in den ‚dunklen‘ Nachkriegsjah- ren nicht nur nicht anerkannt, sondern auch verfolgt wurden. Die Zeit war reif, dass die jahrelang Unterdrückten mit ihren Verdiensten für die Sache der nati- onalen Souveränität, ihren ideologischen Überzeugungen und ihren (zwangs- weise verdrängten) Leiden an die Öffentlichkeit traten. Es ist offenkundig, dass in diesem Diskurs das Opferbewusstsein dominiert. Und da die Kontroverse zwi- schen Rechts und Links in den 1980er Jahren nun offen und legitim unter den Prä- missen einer westlichen Demokratie auflebt, wird dieses zu politischen Zwecken instrumentalisiert, eine Tendenz, die dem Opferstatus ohnehin innewohnt, wie Aleida Assmann sich auf andere Kontexte beziehend konstatiert (2013, 144–154). Die literarischen Werke mit Referenz auf jene Jahre sind in diesen Zusammen- hang einzuordnen. Dabei wäre es literaturwissenschaftlich interessant, die tex- tuellen Merkmale und die genremäßigen Kategorisierungen dieser literarischen Produktionen zu untersuchen. Gedächtnistheoretisch jedoch ist es von Belang, dass die besagten Werke im Kontext der konkreten Erinnerungsgemeinschaft als „kollektive Texte“ (Erll 2005a, 156) rezipiert werden, d.h., dass ihr Inhalt als in hohem Maße repräsentativ für ein bestimmtes Kollektiv gedeutet wird, während dabei ihre genuin literarischen Merkmale in den Hintergrund treten. Die Klärung der Frage, inwieweit der „antagonistische Modus“ (Erll 2005a, 178–179) dieser Rezeptionsweise von den Texten selbst untermauert wird, wäre auch ein legiti- mes Desideratum der erinnerungsorientierten literaturwissenschaftlichen For- schung. Hier beschränke ich mich auf die Bemerkung, dass bestimmten Texten eine besondere symbolische Bedeutung für das entsprechende Lager zuerkannt wurde. Ein Paradebeispiel für diese Tatsache bietet der Marsch der Neun von Thanassis Valtinos, eine umfangreiche Erzählung, die in Griechenland 1978 in Buchform erschienen ist. Das Werk beschreibt den aussichtslosen Versuch einer Gruppe von neun linken Partisanen, auf feindlichem Territorium zu überleben und sich einen Fluchtweg zum Meer zu verschaffen. Alle kommen um bis auf einen, der auch der Erzähler der Geschichte ist. Und obwohl im Text selbst der antagonistische Modus nicht besonders ausgeprägt ist (da die Narration gänz- lich schmucklos ist und ideologischer Wertungen entbehrt), wurde der Marsch im öffentlichen Diskurs als emblematisch für die jahrzehntelangen Leiden der Linken betrachtet, funktionierte sozusagen als „medialer cue“ (Erll 2005b, 255) für diese Gemeinschaft. Die mythopoietischen Konnotationen des Peritextes – der Titel verweist direkt auf die Anabasis des antiken Historikers Xenophon –
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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Titel
Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Herausgeber
Eva Binder
Christof Diem
Miriam Finkelstein
Sieglinde Klettenhammer
Birgit Mertz-Baumgartner
Marijana Milošević
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-069346-1
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
350
Schlagwörter
Opfernarrative, zeitgenössische Literatur, transnationale Erinnerung, Transnationalität
Kategorie
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