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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
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Die Überwindung traditioneller Opfernarrative    307 „in der Literatur der Bürgerkrieg gar nicht stattgefunden hat“ (2012, 15). Das linke oder rechte Opfernarrativ wird vornehmlich in der Rezeption der bipolaren Erin- nerungsgemeinschaften konstruiert. 3 Die neue Ära: Bürgerkriegsliteratur im Wandel Kommen wir nun zum Millennium, das, meiner These zufolge, einen Einschnitt in der themenrelevanten Literatur markiert. Wir haben zwar einleitend gesehen, dass nach 1975 eventuell ein ‚Phasenunterschied‘ in der Aufarbeitung der Ereig- nisse in beiden Ländern zu verzeichnen ist, jedoch kommt es meiner Meinung nach mehr auf die makroepochale Gedächtnis konstellation um 2000 an. Auf die zahlreichen und diversen Faktoren, die den vielzitierten Memory-Boom um diese Zeit ausgelöst haben, kann hier nicht einmal ansatzweise eingegangen werden (eine zusammenfassende Darstellung findet sich z.B. in Olick et al. 2011, 3–62). Beschränken wir uns auf zwei Aspekte, die für die zu untersuchenden Texte von besonderem Belang sind: 1) Nach dem Fall der Berliner Mauer und der darauffol- genden Auflösung des sozialistischen Lagers wird die Unterscheidung von Rechts und Links obsolet, oder zumindest verschwommen. Der im Kalten Krieg vorherr- schende traditionelle Rechts-Links-Dualismus (dessen Wurzeln für Spanien und Griechenland größtenteils in den Bürgerkriegen zu suchen sind) kann nicht mehr aufrechterhalten werden. 2) Das allmähliche Aussterben der Zeitzeugen der ent- scheidenden Ereignisse um die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts und folglich die Auflösung der drei Generationen umfassenden Erinnerungsgemeinschaft, die laut Aleida und Jan Assmann (A.  Assmann 2002, 185; J.  Assmann 2002, 48–59) das kommunikative Gedächtnis tradiert, schafft die Voraussetzungen für den Übergang zum kulturellen Gedächtnis.6 Letzteres ist in steigendem Maße auf his- torische Quellen bzw. materielle Datenträger angewiesen. Man kann davon aus- gehen, dass dessen Inhalte immer in einen semiotischen Prozess eingebettet und daher deutungsbedürftig sind, das heißt auch, dass der fiktionalen Literatur als „sekundärem modellbildendem System“ (Lotman 1972, 22) größere Spielräume offenstehen. 6  Das ist auch eine explizite Voraussetzung, auf die sich zwei bekannte Studien zur spanischen Bürgerkriegsliteratur stützen (Gómez López-Quiñones 2006, 24; Luengo 2012, 256). Aufgrund dieses Arguments kann auch die zeitliche Abweichung der hier behandelten Werke partiell er- klärt werden, also dass die griechischen ‚metamnemonialen‘ Texte ungefähr eine Dekade später als die spanischen erscheinen – da, wie bekannt, der griechische Bürgerkrieg genau zehn Jahre später als der spanische ausgetragen wurde.
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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Titel
Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Herausgeber
Eva Binder
Christof Diem
Miriam Finkelstein
Sieglinde Klettenhammer
Birgit Mertz-Baumgartner
Marijana Milošević
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-069346-1
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
350
Schlagwörter
Opfernarrative, zeitgenössische Literatur, transnationale Erinnerung, Transnationalität
Kategorie
Lehrbücher
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