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Land der Verheißung – Ort der Zuflucht - Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
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Seite - 160 - in Land der Verheißung – Ort der Zuflucht - Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945

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160 um die Einhaltung der religiösen Vorschriften, kritisierten andere Jugendgruppen (z. B. der „Barak“) das Fehlen geeigneter Plätze aufgrund des Umstands, dass es durch die Zusammenlegung unterschiedlicher Verbände stets zu ideologischen Spannungen kam. Im Kontext der Zertifikatsverteilung gestaltete sich nicht zuletzt das Verhält- nis zwischen Wien und den übrigen Bundesländern äußerst konfliktreich. Dies betraf speziell die Kategorie der Jugend-Alijah. Die jüdische Bevölkerung der Pro- vinz stand vielfach unter noch größerem Druck, das Land zu verlassen, sollten die Gemeinden doch auf Befehl der Nationalsozialisten bis Ende 1939 aufgelöst werden. Besonders tragische Umstände  – die Inhaftierung oder der Tod der Eltern, oder wenn die Auswanderungsbestimmungen eine gemeinsame Flucht verhinder- ten  – konnten eine Situation entstehen lassen, in der die Jugendlichen alleine und mittellos in Österreich zurückgelassen wurden. Nach der Zwangsumsiedlung nach Wien mussten sich die jüdischen Institutionen deshalb speziell diesen Kindern annehmen, sie unterbringen und versorgen und ihnen bei der Beschaffung von Auswanderungspapieren helfen. Obwohl sie über die Bestimmungen der Jugend-Alijah und die Vorgehensweise bei der Zertifikatsverteilung informiert waren, wandten sich zahlreiche verzweifelte Eltern angesichts fehlender Alternativen auch direkt an die „Beratungsstelle“ und konfrontierten diese nicht selten mit Vorwürfen. So beklagte etwa Arthur Löwy in einem Schreiben vom August 1939, dass sein Sohn bereits seit 15 Monaten für die Jugend-Alijah angemeldet wäre und die Wartezeit mit schwerster körperlicher Arbeit (als Tiefarbeiter im Harz) verbringen würde. Nur die Einberufung zu einer Hachscharah oder die Zulassung zur Jugend-Alijah würde ihn davor befreien.455 Wenngleich der „Beratungsstelle“ und dem Palästina-Amt wiederholt Protektionis- mus vorgeworfen wurde, waren private Gesuche um ein Zertifikat eher aussichtslos. Trotz des Erfolges der Jugend-Alijah wurde von verschiedenen Seiten von Beginn an kritisiert, dass sich das Programm nur an Jugendliche im Alter von 15 bis 17  Jahren richtete. Parallel zum Aufbau der Jugend-Alijah wurden deshalb Anstren- gungen unternommen, auch jüngeren Kindern die Auswanderung nach Palästina zu ermöglichen. Abgesehen von der Unterbringung in den Kinderheimen Ben Schemen und „Ahawah“ gelangten zahlreiche Kinder mit der so genannten „Kin- deranforderungsaktion“ ins Land. Die britische Regierung bewilligte, dass bereits in Palästina lebende Verwandte Kinder „anfordern“ durften, um ihnen auf diesem Wege zur Flucht zu verhelfen. Die „Beratungsstelle“ richtete dafür eine eigene Registrierungsstelle ein, wo die Kinder  – auch hier je nach Eignung und Dringlich- keit  – ausgewählt wurden. Die im Jahr 1939 nach Wien gesandten 116 „Kinderan- forderungszertifikate“ konnten den eigentlichen Bedarf freilich nicht einmal annä- hernd decken.456 Der Vollständigkeit halber seien an dieser Stelle auch die ebenfalls begrenzten Schüler- und Studentenzertifikate genannt, mit welchen Jugendliche im Rahmen der legalen Einwanderung nach Palästina gelangen konnten. 455 Arthur Löwy an Beratungsstelle der Jugend-Alijah, 24. 8. 1939. YVA, O-30/67. 456 Jugend-Alijah-Tätigkeitsbericht 1939. CAHJP, A/W 178,1.
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Land der Verheißung – Ort der Zuflucht Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
Titel
Land der Verheißung – Ort der Zuflucht
Untertitel
Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
Autor
Victoria Kumar
Verlag
Studienverlag Ges.m.b.H.
Ort
Innsbruck
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7065-5419-0
Abmessungen
15.6 x 23.4 cm
Seiten
216
Schlagwörter
Palestine/Israel, Aliyah/Zionism, Jewish history of Austria, National Socialism in Austria, Palästina/Israel, Alijah/Zionismus, Jüdische Geschichte Österreichs, Nationalsozialismus in Österreich
Kategorien
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