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Land der Verheißung – Ort der Zuflucht - Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
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161 Kriegsbedingte Veränderungen Der Kriegsausbruch im September 1939 veränderte die Rahmenbedingungen der Flucht aus dem nationalsozialistischen Machtbereich grundlegend und brachte für die Jugend-Alijah neben personellen Änderungen  – abgesehen von Aron Menczer (1917–1943), der Juda Weissbrod als Sekretär der Wiener Jugend-Alijah ablöste, floh der Großteil der zionistischen Funktionäre in den Folgemonaten ins Ausland  – auch andere Aufgabenbereiche. Nachdem die Hachscharah-Plätze mehrheitlich geschlossen worden waren,457 richtete die „Beratungsstelle“ zur Beschäftigung der Jugendlichen „Fortgeschrittenenkurse“ ein, die der ursprünglichen Ausbildung im Prinzip glichen. Im Sommer 1940 arbeiteten rund 320 Jungen und Mädchen in den noch verbliebenen Werkstätten, die JUAL-Schule wurde Ende des Jahres von ca. 590 Jugendlichen und 300 Kindern besucht.458 Daneben wurde verstärkt versucht, Bewerberinnen und Bewerber in Umschichtungslagern im Ausland unterzubrin- gen. Insgesamt 335 österreichische Jüdinnen und Juden absolvierten 1939 die „Aus- landshachscharah“, überwiegend bei jüdischen und nichtjüdischen Bauernfamilien in England, Dänemark und Schweden. Die Hachscharah war eine der wenigen Mög- lichkeiten, die Jugendlichen vor dem drohenden Zwangsarbeitseinsatz zu bewahren. Trotz gewisser Vorbehalte  – in erster Linie wegen ideologischer Bedenken und weil ein enger Kontakt mit der Bewegung nicht aufrechterhalten werden konnte  – wurde die Jugend-Alijah schrittweise auf andere Länder ausgeweitet. Infolge der Geschehnisse des Novemberpogroms und der erneuten Einschränkung der jüdi- schen Immigration nach Palästina wuchs der Druck der Weltöffentlichkeit auf die britische Regierung, die schließlich (unter gewissen Bedingungen) die Einwande- rung von 5.000 jüdischen Kindern und Jugendlichen nach England erlaubte. Noch im Dezember 1938 ging der erste Kindertransport ab. Weitere Aufnahmeländer der „Kinderverschickungsaktion“ waren Schweden, Holland, Belgien, Frankreich, Australien und die Schweiz. Untergebracht wurden die jungen Flüchtlinge sowohl bei jüdischen als auch nichtjüdischen Familien, Unterstützung erhielten sie von lokalen jüdischen und philanthropischen Organisationen. Der Kriegsausbruch reduzierte die Auswanderungsmöglichkeiten generell auf ein Minimum. Im Falle Palästinas kam hinzu, dass die britische Regierung die Ein- reise von Flüchtlingen aus nationalsozialistisch kontrollierten Gebieten  – abgese- hen von Personen, die ihre Zertifikate schon vor dem 1.  September 1939 erhalten hatten  – verbot. Die Jugend-Alijah setzte ihre Arbeit dennoch fort und legte ihr Hauptaugenmerk auf die Organisation der Weiterwanderung von Kindern in Tran- sitländer. Dass trotz der veränderten Rahmenbedingungen und transportbedingten Schwierigkeiten zwischen September 1939 und Oktober 1940 über 400 Kinder aus Österreich fliehen konnten, war vor allem auf das unermüdliche Engagement des 457 Im April 1940 erstellte die „Beratungsstelle“ ein Exposé über die Wiederaufnahme der Hachscha- rah. Vorgesehen war das Lager in Moosbrunn, wo rund 100 Jugendliche untergebracht werden sollten. CAHJP, A/W 2508. 458 Mauricy Moses Grün an Chaim Barlas, 8. 1. 1940. Archiv der IKG Wien/Bestand Jerusalem/A/W 2706.
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Land der Verheißung – Ort der Zuflucht Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
Titel
Land der Verheißung – Ort der Zuflucht
Untertitel
Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
Autor
Victoria Kumar
Verlag
Studienverlag Ges.m.b.H.
Ort
Innsbruck
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7065-5419-0
Abmessungen
15.6 x 23.4 cm
Seiten
216
Schlagwörter
Palestine/Israel, Aliyah/Zionism, Jewish history of Austria, National Socialism in Austria, Palästina/Israel, Alijah/Zionismus, Jüdische Geschichte Österreichs, Nationalsozialismus in Österreich
Kategorien
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